Sieben Jahre steckt Hannover 96 mittlerweile in der 2. Bundesliga fest. Mit Jonas Boldt soll sich das ändern – wenn man ihm gewisse Freiheiten einräumt.
Am 1. Juni beginnt am Maschsee eine neue Ära: Mit Jonas Boldt startet ein neuer Geschäftsführer Sport bei Hannover 96. Der 44-Jährige ist bereits der dritte Manager binnen sechs Monaten und muss sich direkt um einige Baustellen kümmern. Der Verein braucht endlich wieder eine sportliche Führung, die den Laden zusammenhält. Genau deshalb ist Boldt die richtige Verpflichtung.
Seit sieben Jahren steckt Hannover 96 in der 2. Bundesliga fest. In der gerade beendeten Saison verspielte die Mannschaft den Aufstieg am letzten Spieltag, nicht einmal für die Relegation reichte es. Danach wurde es unruhig rund ums Niedersachsenstadion: Gerüchte über eine Trennung von Trainer Christian Titz oder einen Transferstopp machten die Runde. Aufsichtsratschef Martin Kind schoss öffentlich gegen die Mannschaft und äußerte sich erneut zu sportlichen Fragen, die eigentlich in den Verantwortungsbereich der Vereinsführung fallen.
Sportdirektor Becker bei Hannover 96 allein gelassen
Es wirkte, als würde der Verein am geplatzten Aufstiegstraum zerbrechen. Sportdirektor Ralf Becker trifft daran keine Schuld. Er wurde bei vielen Entscheidungen allein gelassen und musste nebenbei auch noch als Chefscout, Kaderplaner und Geschäftsführer einspringen. Auf all diesen Positionen verzeichnete 96 im Saisonverlauf Abgänge. „Das ist nicht zukunftsfähig“, räumte Becker selbst bei Transfermarkt ein.
- „Er war unsere Wunschlösung“: Hannover 96 verpflichtet neuen Kaderplaner
Er hat recht. Hannover 96 fehlte zuletzt weder ein besserer Stürmer noch ein kreativerer Spielmacher. Es fehlte eine sportliche Führung. Genau dafür wurde Boldt geholt. In Hamburg hat er gezeigt, dass er einen ambitionierten Chaosverein stabilisieren kann. Er professionalisierte Scouting und Nachwuchsarbeit, stellte den HSV wirtschaftlich solide auf und brachte auch in Krisenzeiten Ruhe.
Natürlich gibt es einen Einwand: Fünfmal verpasste der HSV unter Boldt den Aufstieg. Wer nur auf die Tabelle schaut, wird ihm genau das vorwerfen. Allerdings beendeten die Hamburger jede Saison auf Rang drei oder vier. Der Aufstieg war stets in Reichweite. Dass der HSV 2025 den Schritt dann doch noch schaffte, lag auch an Boldts Vorarbeit.
Becker, Titz, Boldt: Erfahrung trifft Euphorie
In Hannover findet Boldt ein Umfeld vor, das er gut kennt: einen ambitionierten Zweitligisten mit großen Erwartungen und begrenzter Geduld. Mit Christian Titz und Ralf Becker arbeiten bereits zwei erfahrene Fachleute im Verein. Becker kennt die Strukturen und den Kader, Titz hat bewiesen, dass seine Mannschaft um den Aufstieg spielen kann. Die Euphorie ist groß, das Stadion war achtmal ausverkauft – Vereinsrekord. Die Grundlage ist da.
