
Statt noch mehr Bevormundung zu fordern, könnten jetzt die anderen handeln:
Die meisten Menschen sind nicht übergewichtig, weil sie das toll finden. Sie sind es, weil sie nicht anders können. Wer abnehmen will, aber seinen Lebensstil nicht ändern kann, hatte bisher kaum eine Chance. Diäten sind anstrengend und wirken meist nur kurze Zeit. Sport und Fitnessstudio nimmt man sich vor, lässt es dann aber lieber doch. Die neuen Abnehmspritzen dagegen wirken bei den meisten. Doch sie sind teuer und werden in der Regel von den Krankenkassen nicht bezahlt, weil sie als Lifestyle-Medikamente gelten.
Das ist merkwürdig: Die Krankenkassen zahlen nach Schätzungen der Deutschen Adipositas-Gesellschaft lieber rund 60 Milliarden Euro im Jahr für die Folgen von Übergewicht, als den Leuten den einfachen Weg zur Gewichtsreduktion zu öffnen.
Die gesetzlichen Krankenkassen sollten umdenken und ihren Versicherten mit krankhaftem Übergewicht die Abnehmspritze genauso bezahlen, so wie sie das mit Insulin und Blutdrucksenkern selbstverständlich tun. Die neuen Medikamente werden nicht allen helfen, und nicht alle werden sie wollen. Aber für einen Teil werden sie ein längeres gesundes Leben möglich machen, selbst wenn die Versicherten nicht von Fertiggerichten lassen wollen.
Vor allem die Rezepte und die Portionen sind schuld daran, dass das Fertigessen vielen nicht gut bekommt. Würden die Hersteller Zucker, Salz, Fleischgehalt und gesättigte Fette reduzieren, ohne das groß an die Glocke zu hängen, würde das niemandem auffallen. Auch kleinere oder leichter portionierbare Packungen wären vernünftig. Sie kämen nicht nur Nutzern der neuen Abnehmspritze entgegen, sondern auch Älteren, die weniger Hunger haben.
Je mehr es von ihnen gibt, desto eher werden kleine Portionen nachgefragt. Für viele wäre es ein Glück, wenn sie eine halbe Lasagne ohne Mühe in den Ofen schieben könnten, anstatt dem Tiefkühlblock vorher mit einem Beil zu Leibe rücken zu müssen.
Pro Tag essen nach Schätzung des Bundeslandwirtschaftsministeriums etwa 16 Millionen Menschen in einer Schul- oder Universitätsmensa, in der Kantine oder in einem Krankenhaus oder Pflegeheim. „Ein Gesundheitsrisiko“ könne ausgerechnet die Verpflegung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen werden, urteilt eine Studie der Charité und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Für eine bessere Ernährung mit mehr Gemüse und Salat könnten diese Großküchen problemlos sorgen. Sie tun es aber zu selten.











