
Globale Machtpolitik bei Lanz
Politologe kritisiert Europa – „Empörung ist noch keine Strategie“
Aktualisiert am 07.01.2026 – 02:33 UhrLesedauer: 3 Min.
Die US-Militäroperation in Venezuela sorgte bei „Markus Lanz“ für grundlegende Fragen zum Zustand der internationalen Ordnung. Auch der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz war Thema der Sendung.
Ausgangspunkt war die nächtliche Operation der US-Streitkräfte am 5. Januar 2026, bei der Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro festgenommen und in die USA entführt wurde. Die Aktion bildete den Rahmen für eine Debatte über Machtpolitik, Völkerrecht und staatliche Verwundbarkeit.
Politologe Peter Neumann ordnete das Vorgehen der USA als Teil eines historischen Umbruchs ein. Großmächte setzten ihre Interessen wieder offen über Einflusszonen und politische Deals durch. „Empörung darüber, was gerade passiert, ist noch keine Strategie“, sagte Neumann mit Blick auf Europa.
ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen sah die Aktion eingebettet in eine neue Weltanschauung von US-Präsident Donald Trump. „Das, was seit 80 Jahren für Stabilität gesorgt hat, wird gerade untergraben“, sagte er. Lateinamerika werde erneut als amerikanischer Einflussraum verstanden – mit dem Ziel, Migration zu begrenzen und strategische Interessen zu sichern. Trump bringe damit auch Europa in eine Lage, die USA nicht mehr automatisch als Partner zu betrachten, sondern „möglicherweise gar als Gegner“.
Aus Caracas berichtete die Journalistin Rosalie Hernández von einer angespannten und gefährlichen Situation. Der nächtliche Militäreinsatz habe die Bevölkerung überrascht. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass so etwas passiert“, sagte sie. Stromausfälle und Kommunikationsabbrüche hätten die Lage zusätzlich verschärft. Zudem seien bewaffnete paramilitärische Gruppen präsent, die versuchten, Kontrolle auszuüben und den Eindruck zu vermitteln, dass sich nichts ändere. Maduro sei „nur der Kopf des Kraken“, sagte Hernández.
Die Macht liege bei einem ganzen System, eine schnelle politische Wende sei nicht absehbar.
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch bewertete das Vorgehen der USA deutlich kritischer. Er sprach von einem Verstoß gegen das Völkerrecht und warnte, wenn Demokratien selbst internationales Recht missachteten, sei das die „Blaupause für die Despoten dieser Welt“. Russland nutze diesen Präzedenzfall bereits propagandistisch.
Journalist Michael Bröcker teilte die Diagnose, zweifelte jedoch an einer Rückkehr zur bisherigen Ordnung. „De facto ist das Völkerrecht tot“, sagte er. Europa bewege sich in einer gefährlichen Naivität. Zwar habe man sich auf die UN-Charta verständigt, doch in der aktuellen geopolitischen Realität regiere „das Recht des Stärkeren“.
Eine abweichende Perspektive brachte die venezolanische Oppositionspolitikerin Paola Batista de Aleman ein. Sie sprach von einer geopolitischen und sicherheitspolitischen Entscheidung der USA, die nicht allein mit Ressourcen zu erklären sei. Das Maduro-Regime sei international eng mit autoritären Staaten verflochten, ein Großteil des venezolanischen Öls gehe nach China. Für Venezuela gehe es um eine grundsätzliche Richtungsentscheidung. Die US-Aktion bewertete sie als Befreiung, warnte jedoch zugleich vor einem langen und ungewissen Weg zu demokratischen Wahlen.










