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Home » Warum Erbengemeinschaften jahrelang ums Erbe streiten
Wirtschaft

Warum Erbengemeinschaften jahrelang ums Erbe streiten

By zeit-heute.deNovember 5, 20264 Mins Read
Warum Erbengemeinschaften jahrelang ums Erbe streiten
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Alte Rechnungen, neue Blockaden

Offene „Rechnungen“ zwischen den Erben belasten laut Studie in 52 Prozent der Konflikte das Verhältnis der Erben schwer. Dazu zählen Bankguthaben, die Institute vorschnell an einzelne Erben ausgezahlt haben, umstrittene Schenkungen des Erblassers vor seinem Tod oder Pflegeleistungen, die ein Erbe für den Erblasser zu dessen Lebzeiten erbracht hat und die die anderen Erben nun finanziell ausgleichen sollen.

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Zudem bremsen rechtliche Hürden die Auflösung: ein testamentarisches Auseinandersetzungsverbot, ein Nießbrauchsrecht, Pflichtteilsrechte oder Mietverträge mit Miterben. Steht die geerbte Immobilie leer, zahlt die Erbengemeinschaft weiter Grundsteuer, Strom und Heizung, ohne dass die Immobilie Erträge abwirft.

Typische Erbenprofile – von unsicher bis egozentrisch

Aus der Studie ergeben sich acht typische Erbenprofile. Die befragten Erben haben diese Charakteristiken ihren blockierenden Miterben zugeschrieben – die Merkmale schließen sich dabei nicht gegenseitig aus. Ein und derselbe Miterbe kann also durchaus mehrere Eigenschaften gleichzeitig zeigen.

  • Der ökonomisch orientierte Erbe (69 Prozent): Er richtet sein Verhalten konsequent am eigenen finanziellen Vorteil aus, stellt unrealistische Preisforderungen, vergleicht ständig mit höheren Marktwerten und verhandelt selbst nach einer erzielten Einigung noch nach. Seine Logik: „Warum jetzt einigen, wenn vielleicht mehr drin ist?“
  • Der konfliktbeladene Erbe (63 Prozent): Ihm geht es selten um die Immobilie oder das Geld, sondern um alte familiäre Verletzungen und Rollen. Er rechnet vergangene Ungleichbehandlung auf, bildet Koalitionen gegen einzelne Miterben und lehnt Lösungen schon wegen bestimmter Personen ab. Der Nachlass wird zur Bühne alter Konflikte.
  • Der kontrollorientierte Erbe (62 Prozent): Er blockiert bewusst, weil ihm dies Einfluss und Verhandlungsvorteile verschafft – oft geprägt durch seine historische Rolle als „Kümmerer“ der Familie. Er hält Informationen zurück, verhandelt bereits Geeinigtes erneut und handelt bevorzugt im Alleingang. Sein Motto: „Solange ich nicht zustimme, läuft nichts.“
  • Der unsichere Erbe (51 Prozent): Hinter seiner Blockade steckt Angst – vor Fehlentscheidungen, Schuld oder Streit, nicht vor dem Verlust der Kontrolle. Er fragt extrem viel, will alles schriftlich, holt Zweit- und Drittmeinungen ein und zieht sich bei Druck zurück. Seine innere Logik: „Wenn ich nicht unterschreibe, kann ich nichts falsch machen.“
  • Der ego-/geltungsbezogene Erbe (48 Prozent): Ihm geht es nicht um Kontrolle als Mittel, sondern um Selbstbild und Überlegenheit. Er beansprucht eine Sonderstellung, wertet Berater und Vorschläge ab und sucht keine Lösung, sondern Bestätigung. Sein Kernsatz: „Ich weiß es besser.“
  • Der psychisch instabile Erbe (35 Prozent): Seine Blockade ist kein Kalkül, sondern Ausdruck innerer Überforderung durch Trauer, Angst oder Krisen. Zusagen und Meinungen schwanken stark, es kommt zu emotionalen Ausbrüchen oder völliger Funkstille. Der Verkauf der Immobilie wirkt auf ihn wie eine Entwurzelung.
  • Der rationale Erbe (33 Prozent): Er blockiert nicht aus Bosheit, sondern weil Stillstand für ihn in diesem Moment die rational beste Option ist. Typisch sind wechselnde Verzögerungsgründe (Markt ungünstig, fehlende Unterlagen) und eine bewusste Unverbindlichkeit – weder klares Ja noch Nein. Sein Leitsatz: „Die Zeit arbeitet für mich, nicht für die anderen.“
  • Der sture Erbe (5 Prozent): Er blockiert nicht aus Angst, Macht- oder Geldmotiven, sondern aus innerer Festlegung – einmal gebildete Meinungen gibt er kaum auf. Kompromisse lehnt er grundsätzlich ab, auch gegen Fachwissen und Marktrealität. Sein Antrieb: „Wenn ich meine Meinung ändere, war ich vorher im Unrecht.“

Reich auf dem Papier, arm in der Wirklichkeit

Solange die Erbengemeinschaft besteht, ist der Erbanteil kein unmittelbar verfügbares Vermögen. Erst wenn die Erbengemeinschaft auseinandergesetzt ist und die Anteile ausgezahlt sind, wird aus dem rechnerischen Wert tatsächlich verfügbares Geld, betonen die Erbrechtsexperten.

„Das Vermögen bleibt in der ungeteilten Gemeinschaft gebunden und kann von den einzelnen Miterben weder frei eingesetzt noch ohne Weiteres für Anschaffungen, Wohnraum oder Rücklagen genutzt werden“, heißt es weiter.

Vor allem nichtökonomische Motive verzögern die Teilung – der Wunsch, das elterliche Erbe unverändert zu bewahren, ungelöste Konflikte zwischen den Miterben oder das Bestreben, Einfluss innerhalb der Gemeinschaft zu behalten.

Der teure Irrtum: Ein Testament reicht nicht

Neben Familienstreit, Verzögerungstaktiken und Sturheit zeigt die Studie noch etwas: Viele Erben unterliegen schweren Rechtsirrtümern. So glauben sie etwa, ein Testament sei der sicherste Weg, die Nachfolge friedlich zu regeln.

Tatsächlich garantiert ein Testament keineswegs, dass am Ende alle Erben zufrieden sind. 32 Prozent der Befragten mussten diese bittere Erfahrung laut Erbteilung bereits machen. Entscheidend sind vielmehr die richtigen Inhalte in der letztwilligen Verfügung, sagen die Experten. Auch ein Erbschein garantiert nicht, dass die dort ausgewiesene Erbquote zur Auszahlung kommt.

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