Bitteres Ende für beliebte Autos
Die Industrie lässt den günstigen Kleinwagen sterben
Aktualisiert am 20.05.2026 – 15:45 UhrLesedauer: 3 Min.
Mehr als 30 Kleinwagen verschwinden vom Markt. Die verbliebenen Modelle werden zum Luxusgut. Die Hersteller schieben die Schuld auf teure EU-Auflagen. Doch der wahre Grund für den rasanten Preisanstieg liegt woanders.
Zwanzig Kleinwagen, darunter viele geleaste VW-Polos mit Erdgasantrieb, stehen auf dem Hof des Leipziger Pflegedienstes Löwenherz. Für Geschäftsführerin Angelika Benkenstein sind die Autos wichtige Werkzeuge für den Alltag. Doch ihr Fall, über den kürzlich die „Tagesschau“ berichtete, zeigt das Dilemma der Branche. Auf Elektroautos umzusteigen, ist unbezahlbar. Allein die Ladeinfrastruktur auf dem Betriebshof würde mindestens 80.000 Euro kosten. Bei der günstigen Erdgasvariante zu bleiben, ist wiederum unmöglich: VW hat das Modell aus dem Angebot gestrichen.
Der Fall beleuchtet ein Problem, das den gesamten deutschen Kleinwagenmarkt erfasst hat. Die Auswahl schrumpft, die Preise ziehen drastisch an. In den vergangenen zehn Jahren strichen die Autobauer über 30 Modelle aus ihren Katalogen, darunter bekannte Namen wie den Ford Fiesta, den Peugeot 108 und den Skoda Citigo. Wer heute noch einen Neuwagen dieser Klasse sucht, sucht vergeblich.

Wie drastisch die Preise bei den noch verbliebenen Kleinwagen-Modellen gestiegen sind, zeigt der direkte Vergleich:
- Ein VW Polo kostete vor sechs Jahren ab 15.730 Euro, heute verlangt der Konzern mindestens 20.135 Euro – ein Plus von 28 Prozent.
- Beim Toyota Aygo verdoppelte sich der Einstiegspreis im selben Zeitraum sogar von 10.840 auf 21.990 Euro.
Fabian Faehrmann vom ADAC warnt vor den sozialen Folgen dieser Entwicklung. Autofahren müsse auch für kleinere Budgets bezahlbar bleiben, betont der Experte. Zwar seien mehr Umweltfreundlichkeit, Sicherheit und Komfort wünschenswert. Doch wenn die Preise weiter steigen, könnten sich immer weniger Menschen ein eigenes Auto leisten, mahnt der Automobilclub.
Der Streit um die Ursachen

Florian Huettl, Deutschlandchef von Opel und Stellantis, räumt ein, dass sich die Fahrzeugpreise und das verfügbare Einkommen der Käufer entkoppelt hätten. Als Gründe nennt er gestiegene Kosten für Rohstoffe, Energie sowie Löhne und Gehälter. Hinzu kämen gesetzliche Auflagen: Neue EU-Vorgaben machten selbst Kleinwagen teurer. Notbremsassistenten, Müdigkeitswarner und andere Pflichtsysteme treiben den Preis laut Herstellern um bis zu 2.000 Euro nach oben.
Der ADAC widerspricht jedoch der Darstellung, dass die Brüsseler Vorgaben die Hauptschuld tragen. Faehrmann betont, dass der reine Kostenaufschlag durch diese Systeme deutlich geringer ausfalle als die tatsächlichen Preissteigerungen von bis zu 100 Prozent.











