Gallensteine sind weit verbreitet. Lesen Sie, welche Komplikationen damit verbunden sein können und wann es gefährlich werden kann.
Gallensteine entstehen, wenn Stoffe aus der Gallenflüssigkeit (Galle) verklumpen und verhärten. Oft bereiten sie keine Beschwerden. Tun sie es doch, kann es schmerzhaft werden: Bei einer Gallenkolik etwa haben die Betroffenen starke, krampfartige Oberbauchschmerzen, die oft über Stunden anhalten.
Gallensteine sind also mitunter belastend. Aber können sie auch gefährlich sein? Die kurze Antwort lautet: Ja, sie können manchmal gefährlich sein – nämlich dann, wenn es durch sie zu Komplikationen kommt. Zum Beispiel, weil sie aufgrund ihrer Größe und Lage den Hauptgallengang behindern. Nicht die Steine selbst, sondern deren Folgen können also zum Problem werden.
Aber: Die Regel ist das nicht. Ein Großteil der Betroffenen bemerkt die Gallensteine nicht einmal. Behandelt werden sie daher meist erst, wenn Symptome auftreten – denn dann ist das Risiko für Komplikationen erhöht.
Von 100 Personen, die aufgrund von Gallensteinen Beschwerden wie etwa eine Gallenkolik haben, entwickelt innerhalb eines Jahres Komplikationen. Bei Personen, die keine Beschwerden haben, ist das Komplikationsrisiko deutlich niedriger.
Gallensteine bilden sich entweder in der Gallenblase oder in den Gallengängen. Was dabei genau passiert und welche Aufgaben die Gallenblase und die Gallenflüssigkeit haben, lesen Sie hier.
Blockieren Steine ab einer gewissen Größe den Ausgang der Gallenblase oder stecken sie im Hauptgallengang fest, kann dies zu einer Gallenkolik führen. Diese ist zwar schmerzhaft, klingt jedoch in der Regel spätestens nach einigen Stunden ab – entweder von selbst oder nach Medikamentengabe.
Gefährlich werden kann es jedoch, wenn sich aufgrund einer anhaltenden Steinblockade Bakterien ansiedeln und eine Entzündung auslösen. Dann können Komplikationen auftreten wie
- eine Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis),
- eine Entzündung der Gallengänge (Cholangitis) oder
- eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis).
Wie sich diese Erkrankungen auswirken und wann sie gefährlich werden, lesen Sie in den nächsten Kapiteln.
Darüber hinaus können Gallensteine das Risiko für Krebs in der Gallenblase und den Gallengängen leicht erhöhen. Dies betrifft jedoch vor allem Personen, die eine sogenannte Porzellangallenblase (eine Folge einer Gallenblasenentzündung) haben. Hier ist ein Therapieansatz, die Gallenblase vorsorglich operativ zu entfernen. Personen, die keine Beschwerden haben, wird dies hingegen meist nicht empfohlen, da das Krebsrisiko relativ gering ist. Eine weitere seltene Komplikation von Gallensteinen ist ein Darmverschluss, wenn ein großer Gallenstein durch den Hauptgallengang in den Darm gerät.
Wenn ein größerer Gallenstein den Ausgang der Gallenblase blockiert, kann die dort gespeicherte Gallenflüssigkeit nicht oder kaum abfließen. Durch den zunehmenden Druck wird die Schleimhaut der Gallenblase gereizt. In dieser Situation können sich dort leicht Bakterien vermehren und eine Gallenblasenentzündung auslösen. Die Erkrankung führt zu anhaltenden, starken Schmerzen im rechten Oberbauch. Betroffene haben meist Fieber und Schüttelfrost. Weitere Symptome sind Übelkeit und Erbrechen.
Eine Entzündung der Gallenblase klingt manchmal von allein wieder ab. Sie kann jedoch auch wiederkehren oder langwierig (chronisch) verlaufen. Wird die Erkrankung nicht frühzeitig behandelt, kann die Gallenblase dauerhaft Schaden nehmen. Sie kann zum Beispiel vereitern und unbehandelt zu einem lebensbedrohlichen Durchbruch der Gallenblasenwand führen. Auch können benachbarte Organe durch die Entzündung in Mitleidenschaft gezogen werden. In ausgeprägten Fällen entsteht eine gefährliche Sepsis („Blutvergiftung“): Dann werden die Bakterien über das Blut im gesamten Körper verteilt.
In sehr seltenen Fällen führt eine Gallenblasenentzündung zu einer Verdickung und Verkalkung der Gallenblasenwand, sodass die Gallenblase in ihrer Funktion eingeschränkt ist. Fachleute sprechen von einer Porzellangallenblase. Das Risiko, Gallenblasenkrebs zu entwickeln, ist bei Personen mit einer Porzellangallenblase erhöht. Daher wird die Gallenblase bei den Betroffenen meist entfernt.
Der Hauptgallengang, der in den Dünndarm mündet, kann sich entzünden, wenn ein Gallenstein den Ausgang blockiert. Mögliche Anzeichen sind starke Schmerzen im Oberbauch, Fieber und Schüttelfrost.
Wenn die in der Leber produzierte Gallensäure nicht in den Dünndarm fließen kann, staut sie sich. Betroffene entwickeln dann häufig Anzeichen einer Gelbsucht: Die Haut und das Augenweiß färben sich gelblich. Der Stuhl ist heller, der Urin dagegen dunkler gefärbt als normal. Die Verfärbungen entstehen durch den Farbstoff Bilirubin, welcher in der sich stauenden Gallenflüssigkeit enthalten ist.