Skandal um Wal Timmy
Aktivisten verweigern Einblick – Experten schlagen Alarm
30.04.2026 – 14:19 UhrLesedauer: 4 Min.
Der geschwächte Buckelwal Timmy wird Richtung Nordsee geschleppt. Ob er überlebt, ist ungewiss – und essenzielle Daten bleiben unter Verschluss.
Buckelwal Timmy ist seinen heimischen Gewässern so nah wie seit Wochen nicht mehr. Die Barge mit dem Meeresgiganten ist auf dem Weg Richtung Nordsee. Nach den Plänen einer privaten Initiative soll der Wal an die Nordspitze Dänemarks gebracht und anschließend freigelassen werden. Vielleicht geht es aber auch weiter Richtung Atlantik, sollte der Wal nicht in die Nordsee entlassen werden können.
Wie es dem Wal während des Transports tatsächlich geht, ist jedoch unklar. Ein Blick an Bord ist nicht möglich. Weder Medienvertreter noch Behörden begleiten den Transport auf der Barge. Ein Schiff der Wasserschutzpolizei Wismar hatte den Verband zunächst bis zur offenen See eskortiert, musste jedoch wegen starken Windes abdrehen. Seitdem lässt sich von außen nicht mehr überprüfen, was mit dem Tier geschieht. Informationen kommen ausschließlich von der privaten Initiative.
Fachleute kritisieren das Vorgehen. Der Meeresbiologe und Walforscher Fabian Ritter fordert mehr Einblick in die Maßnahmen. „Wichtig ist derzeit, nach den aktuellen Untersuchungen zu fragen, was gemacht wird und welche Ergebnisse es gibt“, erklärt er t-online und fordert: „Die Daten des Senders müssen öffentlich gemacht werden, um den Weg des Wals nach einer möglichen Freilassung nachvollziehen zu können.“
Im Video | Wal Timmy beim Transport in die Nordsee in der Barge
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Der Buckelwal soll in der Barge mit einem GPS-Senderchip ausgestattet werden, so das Versprechen von Constanze von der Meden, der Rechtsanwältin der privat finanzierten Bergungsinitiative. Öffentlich zugänglich sollen die Daten aber nicht sein. „Diese Information, wo sich der Wal befindet, befindet sich bei den Initiatoren. Wir wollen keinen Wal-Tourismus, der Wal soll seine Ruhe haben“, erklärte von der Meden bei einer Pressekonferenz. Die Positionsdaten würden aber nur den Aktivisten und dem Schweriner Umweltministerium zur Verfügung stehen. So wolle man verhindern, dass Menschen nach dem Wal suchen, behauptete sie.
Die Entscheidung der Initiative, die Standortdaten des Wals nicht der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, sieht Ritter äußerst kritisch und verweist auf die Widersprüche im Vorgehen der Aktivisten. „Plötzlich braucht der Wal also seine Ruhe, nachdem sie zwei Wochen lang mit jedem zur Verfügung stehenden Wasserfahrzeug ganz nah an ihm herum geschippert sind“, kommentiert er. „Das ist sehr zynisch.“
