
Gesetzlich verboten ist das alles hingegen nicht. Vertreter anderer Landtagsfraktionen sprechen von „Regelungslücken“, die die AfD offenbar gezielt ausnutze. Demonstrativ freudestrahlend zerknüllte deswegen AfD-Spitzenkandidat Siegmund am Montag in einem Video eine ausgedruckte Presseanfrage des ZDF und warf sie weg. Die Beschäftigung von Familienmitgliedern sei „kein Problem“, er finde das sogar gut, „weil Vertrauen das Entscheidende ist“. Schließlich müsse die AfD befürchten, von Medien und Verfassungsschutz unterwandert zu werden.
Entsprechend beantwortete er dazu auch keine Fragen von t-online. Auch Anfragen an weitere Abgeordnete liefen ins Leere. Jeweils meldete sich stellvertretend die Landtagsfraktion zurück: „Zu etwaigen Anstellungsverhältnissen, Vergütungen, Vertragsdetails sowie zu Beziehungsverhältnissen“ könnten aus rechtlichen Gründen keine Angaben gemacht werden.
Als Siegmund 2016 für den Landtag kandidierte, sagte er noch: Mit „Politikfilz, Mauscheleien, Steuerverschwendern“ wolle er aufräumen. Nun drängt sich der Eindruck auf: Sein Vorstand, der für mehr als 3.000 Mitglieder zuständig ist, betreibt genau diese Geschäfte. Das finden sogar langjährige Weggefährten dubios bis verwerflich. Empfindlich trifft der Verdacht die AfD, weil sie wie keine andere Partei gegen die politische Konkurrenz wettert, die sich den Staat angeblich zur Beute mache.
Ausgangspunkt der öffentlichen Querelen war im Oktober ein Bericht von t-online zum Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt, der im Landesverband lange als besonders einflussreich galt. Noch bis Frühjahr 2025 war er dort Generalsekretär, ein mächtiger Strippenzieher im Landesverband.
Den Recherchen zufolge hatte er mit dem später als Spion verurteilten Jian Guo 2023 in China eine Diamantenfabrik besichtigt. In Deutschland versuchte seine Familie zeitgleich, über Briefkastenfirmen einen entsprechenden Handel aufzubauen. Schmidt selbst vertrat diesen laut einer Visitenkarte als „Vertriebsleiter“. Geführt wurden die Unternehmen von der Ehefrau eines AfD-Vertrauten, die auch sein Bundestagsbüro leitet.










