In Deutschland verfolgt, im Ausland unerwünscht: Seit 1933 drangsalierte das NS-Regime Juden. Diese Menschen suchten verzweifelt eine sichere Zuflucht im Exil. Historikerin Susanne Heim berichtet, warum die Suche so oft erfolglos blieb.
Unbarmherzig wollten die Nationalsozialisten die Juden bis zum Ausbruch des Weltkriegs aus Deutschland vertreiben. Zugleich machten es die anderen Staaten dieser Welt diesen Menschen schwer bis unmöglich, eine sichere Zuflucht zu finden. Susanne Heim, Historikerin und Expertin für die Verfolgung der Juden durch das NS-Regime, hat für ihr Buch „Die Abschottung der Welt“ erforscht, welche teils unüberwindbaren Hürden diese Staaten errichteten.
Auf welche Barrieren stießen jüdische Flüchtlinge aus Deutschland? Wie erschwerten die Nazis die doch eigentlich gewollte Emigration von Juden? Wohin und wie flüchteten diese Menschen? Diese Fragen beantwortet Susanne Heim im Gespräch.
t-online: Frau Heim, die nationalsozialistische Politik gegenüber den Juden hat der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS in der Formel zusammengefasst: „Deutschland muss ihnen ein Land ohne Zukunft sein.“ Wie reagierten die deutschen Juden seit der Machtübernahme Adolf Hitlers 1933 auf die Gefahr?
Susanne Heim: Zahlreiche Juden haben nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 mit großen Bedenken auf die neue Regierung geblickt. Sie hegten aber zumeist immer noch die Hoffnung, dass es schon nicht so schlimm werden würde. Die allerersten Opfer der Verfolgung waren damals auch nicht unbedingt Juden, sondern in erster Linie Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter. Kurz gesagt: die politischen Gegner der Nationalsozialisten.
Bereits am 1. April 1933 organisierte das Regime dann einen reichsweiten „Judenboykott“, gefolgt vom eindeutig gegen die Juden gerichteten „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933.
Die Zielrichtung der Politik war ganz klar gegen Juden gerichtet. Da machten sich bald nur noch die wenigsten Juden Illusionen. Doch die oft instabilen Regierungen der Weimarer Republik waren in vielen Fällen schnell wieder von der Bühne verschwunden – das wünschten sich die Juden auch vom NS-Regime. Aus diesem Grund lehnten viele zunächst noch die Emigration aus Deutschland ab.
Zur Person
Susanne Heim, geboren 1955, ist Historikerin und Politikwissenschaftlerin. Heim war Gastprofessorin in Wien und forschte an Institutionen und in Archiven u. a. in Jerusalem, Washington, Cincinnati und New York. Als Projektleiterin verantwortete sie die 16-bändige wissenschaftliche Edition „Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 bis 1945“. Im Februar 2026 erschien Heims mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnete Werk „Die Abschottung der Welt. Als Juden vor verschlossenen Grenzen standen. 1933-1945“ im Verlag C. H. Beck.
Zumal Deutschland den circa 500.000 deutschen Juden die Heimat war.
Der junge Jurastudent Heinrich Marx plädierte im April 1933 dafür, „in Berlin auszuhalten“. Denn die Emigration hatte für ihn „nur Sinn, wenn man imstande ist, alle Brücken hinter sich abzubrechen, wenn man die begründete Aussicht hat, sich im Ausland eine neue Existenz zu schaffen“. Ein paar Jahre später sah er sich dann doch zur Auswanderung gezwungen.
Um das Ausland und die Vertreibung der Juden aus Deutschland geht es in Ihrem Buch „Die Abschottung der Welt 1933-1945“. Was war Ihr Ziel?
Mir ging es darum, die Nöte der Juden zu beschreiben, die der nationalsozialistischen Herrschaft zu entkommen suchten, im Ausland aber nicht oder höchstens widerwillig Aufnahme fanden. Das NS-Regime entrechtete, diskriminierte und verfolgte die Juden, um sie ins Exil zu zwingen. Aber wohin sollten die Menschen gehen? Die meisten infrage kommenden Zufluchtsländer hatten noch mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise zu kämpfen und waren daher nicht bereit, die in Deutschland Unerwünschten aufzunehmen – und errichteten deshalb hohe Hürden.











