
Glauben Sie, dass die schwarz-rote Regierung dazu in der Lage ist?
Nein! Politik ist – insbesondere in den Merkel-Jahren – in ein Modell gekippt, in dem man versucht hat, immer den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden. Früher gab es zwei Lager: schwarz-gelb und rot-grün. Wenn man eine dieser Parteien gewählt hat, wusste man, was man bekommt. Das konnte der falsche politische Weg sein, aber man wusste, woran man ist.
Heute weiß man nicht mehr, was man bekommt. Der Bundeskanzler versucht, auf der einen Seite die SPD nicht zu verprellen, auf der anderen Seite die CDU- oder CSU-Stammwähler nicht zu verärgern. Das ist beliebig. Dazu kommt eine Kakofonie von Stimmen.
Der Kanzler sagt etwas, der Vizekanzler sagt es etwas anders, und dann kommt ein Ministerpräsident, das sei alles so gar nicht gemeint gewesen. Bundespolitik ist keine Gedichtinterpretation, da ist Realpolitik nötig – und die bräuchte man gerade in einer massiven Krisensituation.
Was passiert, wenn die Regierung das nicht schafft?
Dann spielt Deutschland in zehn Jahren wirtschaftspolitisch in einer völlig anderen Liga. Dann sind wir ein Zweite-Welt-Land.
Das ist ein sehr drastisches Urteil.
Schauen Sie sich doch an, welche Standards wir noch haben. Wenn es so weitergeht wie in den letzten zwei, drei Jahren, werden wir deutlich größere Altersarmut erleben. Wir haben heute schon Probleme in der Gesundheitsversorgung – nicht, weil Ärztinnen und Ärzte schlecht arbeiten oder Krankenhäuser schlecht ausgestattet sind, sondern weil das System insgesamt kollabiert. Gehen Sie heute in eine durchschnittliche Schule in Deutschland. Da möchten Sie ehrlich gesagt oft nicht einmal auf die Toilette gehen. Das kann doch nicht unser Anspruch sein. Schauen Sie ins europäische Ausland oder nach Asien – das ist eine völlig andere Dimension. Wir glauben immer noch, dass Deutschland Standards setzt. In manchen Bereichen stimmt das noch, aber insgesamt sehen wir uns sehr viel besser, als es der internationale Vergleich hergibt.
Wir glauben immer noch, dass Deutschland Standards setzt.
Unternehmer Markus Schön
Ein hartes Zeugnis. Von der Wirtschaftskrise profitiert politisch insbesondere die AfD. Welche Rolle spielt sie für den Wirtschaftsstandort?
Dazu äußere ich mich bewusst nicht. Jeder Satz, der keine klare Ablehnung ist, löst einen Shitstorm gegen das jeweilige Unternehmen aus. Das gefährdet Arbeitsplätze von vielen Hundert Menschen, die gutes Unternehmertum erleben, was ein Stück weit vor schlechter Politik schützt.
Zuletzt gab es Diskussionen um Familienunternehmen und den Umgang mit der AfD.
Es ging dem Verband Die Familienunternehmen weniger um Öffnung als Thesen zu hören und die AfD inhaltlich zu stellen – vor allem wirtschaftspolitisch. Ob das gelingt, ist offen. Aber wenn es Regionen gibt, in denen 40 Prozent eine Partei wählen, und dort gleichzeitig erfolgreiche Familienunternehmen unserer Branche sitzen, kann man diese Realität nicht einfach ausblenden. Sonst stellen sich Unternehmer die Frage, welchen Sinn Verbandsarbeit hat. Reden heißt nicht zustimmen.
- AfD-Einladung war „Fehler“: Familienunternehmer rudern nach Kritik zurück
Lassen Sie uns gerne noch über Ihre Kinder-Stiftung sprechen. Wie hat sie Sie verändert?
Sehr. In den ersten Jahren habe ich Dinge gesehen, die mich wirklich erschüttert haben. Kinder in Deutschland, die zu Weihnachten nur einen Wunsch hatten: warme Unterwäsche. Das vergisst man nicht. Man bekommt ein anderes Gefühl dafür, in welchem Land wir leben und wie unterschiedlich die Lebensrealitäten sind. Stiftung heißt für mich: von dem, was man erwirtschaftet, etwas zurückzugeben.
Wie viele Kinder haben Sie unterstützt?
Rund 70.000. Über ganz unterschiedliche Projekte, teilweise sehr direkt, teilweise über Partner. Wichtig ist uns immer, dort anzusetzen, wo Hilfe tatsächlich ankommt.
Wenn Sie in 20 Jahren zurückblicken – was soll Markus Schön dann über sich sagen?
„Das hast du gut gemacht.“
Herr Schön, vielen Dank für das Gespräch!











