
Und so konzentrieren sich die Grünen auf das, was eine Oppositionspartei in der Regel am besten kann: die Regierung kritisieren. Und dafür, dass die Grünen zuletzt recht zahm aufgetreten sind, wählen sie jetzt sehr scharfe Worte. Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner wirft Merz Verachtung der eigenen Bevölkerung vor. Der Sprecher für Arbeit und Soziales der Grünen im Bundestag, Armin Grau, findet, die Union treibe „in der Sozialpolitik jetzt fast täglich unüberlegt und in völliger Panik eine neue Sau durchs Dorf“. Ein „giftiger Cocktail“ sei das, sagt er.
Auch wenn sich die Linke angesichts der Forderungen aus der Union schockiert zeigt: Die polarisierte Debatte führt bei der Partei zu einem Höhenflug. In diesem Frühjahr könnte es ihr erstmals gelingen, in die Landtage westdeutscher Flächenländer einzuziehen. Und sie verzeichnet einen in ihrer Geschichte einmaligen Mitgliederzuwachs: Von Ende 2022 bis heute hat sich die Zahl mehr als verdoppelt, auf mittlerweile rund 123.000 Mitglieder.
Auch dabei hat die Partei von der polarisierenden Debatte profitiert. Denn begonnen hat der Mitgliederboom vor rund einem Jahr, als die AfD im Bundestag für einen Antrag der CDU zur Begrenzung der Migration stimmte. „Auf die Barrikaden“, formulierte Fraktionschefin Heidi Reichinnek anschließend im Bundestag. Nach Angaben der Partei führen vor allem die Themen soziale Gerechtigkeit und Sorgen um einen Rechtsruck die Neumitglieder in die Partei.
Das hat die Partei grundlegend verändert. Jünger und weiblicher ist sie dadurch geworden. Nicht nur unter den Mitgliedern sind viele neue. Auch viele der 64 Bundestagsabgeordneten sind erst frisch in der Partei. Nach der Wahl musste sich die neue Fraktion erst mal schütteln, die Abgeordneten diskutierten untereinander aus, wer künftig an welchen Themen arbeitet. Gerade Arbeit und Soziales waren dabei umkämpft.











