Die USA müssen Zolleinnahmen in Milliardenhöhe an Unternehmen zurückzahlen. Was für diese eigentlich ein Segen ist, könnte noch zum Problem werden.
Es war eine Nachricht, die in der aktuellen Gemengelage an der Börse fast unterging: Seit dem 20. April erhalten mehr als 330.000 Unternehmen weltweit insgesamt 166 Milliarden US-Dollar an Zollzahlungen von den USA zurück. Das hatte im Februar der Oberste Gerichtshof entschieden. Die Zölle waren unrechtmäßig. Eine größere Börsenreaktion blieb allerdings aus. Weil inzwischen viel passiert ist.
Die US-Regierung rief postwendend neue Zölle aus: Zehn Prozent gegen alle. Also eine Abmilderung der ursprünglichen Zölle, die zeitlich bis Juli befristet ist. Das sorgt daher nur für eine Atempause und schafft zugleich Unsicherheit, was danach kommt. Schließlich waren die 2025 eingenommenen 264 Zollmilliarden nicht wenig, sogar dreimal so viel wie 2024 unter der Biden-Regierung und zudem schon verplant.
Zugleich darf bezweifelt werden, dass Unternehmen den Geldregen im großen Stil investieren werden. Angesichts von Krieg, steigenden Preisen und drohenden Mängeln bei Baustoffen, Düngemitteln, Öl, Gas und Kerosin hat sich weltweit bei vielen Unternehmen die Stimmung abgekühlt. Auch in den USA.
Dennoch lohnt sich ein genauerer Blick; denn es gibt einige Unternehmen und Branchen, für die die Erstattung relevant ist: Einzelhändler zum Beispiel. Am Handelstag vor dem Start der Erstattungen, als sich die allgemeine Aufmerksamkeit endlich darauf richtete, machte sich die Aussicht vor allem bei US-Einzelhändlern bemerkbar.
Die Aktien von Home Depot, Target oder Walmart zogen im Vorfeld besonders an. Auch im Februar nach dem Gerichtsurteil reagierten sie mehrheitlich positiv: Sie gehören zu den größten Nutznießern. Nach Analystenschätzungen der Citigroup würde Walmart zehn Milliarden US-Dollar aus Zollzahlungen zurückbekommen, Target zwei und Home Depot eine halbe Milliarde.
Aber nicht nur das: Einige Unternehmen werden die Erstattung an ihre Kunden weiterreichen. Denn die US-Zölle wurden hauptsächlich von den US-Verbrauchern gezahlt, weil Unternehmen mit entsprechender Preissetzungsmacht die Zollkosten an ihre Kunden weitergegeben hatten.
Ein Beispiel: Der Logistiker FedEx hatte nicht nur gegen die Zölle geklagt, sondern er will die Kosten nun auch seinen Kunden zurückzahlen. Das ist den Verbrauchern auch mehr als willkommen. Wenngleich es wohl eher eine Ausnahme bleibt.
