Boom mit Schattenseiten
Trend Puppy Yoga: Herabschauender Hund trifft Hundebabys
Aktualisiert am 30.06.2026 – 10:15 UhrLesedauer: 3 Min.
Puppy Yoga boomt weltweit – auch in Deutschland. Auf Bali hilft der Trend geretteten Straßenhunden. Gleichzeitig wächst die Kritik an Züchtern, die Welpen vor allem als Geschäftsmodell nutzen.
Kaum beginnt die Yogastunde, flitzt schon der erste Mini-Chihuahua über die Matten. Drei schwarze Welpen tapsen zwischen ausgestreckten Armen hindurch, die meisten Teilnehmer kichern fröhlich. Blueberry und Helena, zwei putzige braune Mischlinge, nutzen die Plank-Position einer jungen Frau kurzerhand als Klettergerüst. Später, in der Tiefenentspannung Shavasana, rollen sich die Welpen dann relaxed auf den Bäuchen der Teilnehmer zusammen. Willkommen beim neuesten Wellness-Trend: Puppy Yoga.
Von Thailand über Australien und die Schweiz bis nach Deutschland reichen die Angebote. Auch auf der indonesischen Insel Bali können Urlauber erleben, warum Yoga mit Hundewelpen so beliebt ist. Statt sich ausschließlich auf Atemtechnik und Körperhaltung zu konzentrieren, sorgen die verspielten Vierbeiner für Leichtigkeit, süße Fotomomente und jede Menge Glücksgefühle.

Wenn dann noch ein hübscher Pool hinter den Yogamatten in der Sonne glitzert und Kokospalmen sich im Wind wiegen – wie im Anginsepoi Hotel im Badeort Canggu – scheinen alle Probleme in weite Ferne zu rücken. Aber gilt das auch für die Hundekinder?
Tierheime versus Züchter
Denn der Hype hat eine Schattenseite. Tierschützer warnen, dass Puppy Yoga auf Kosten der Tiere gehen kann. Besonders kritisch sehen Experten Angebote, bei denen Welpen von Züchtern stammen, mehrmals täglich eingesetzt werden oder kaum Rückzugsmöglichkeiten haben. Interessenten sollten sich deshalb im Vorfeld genau informieren, rät Wiebke Plasse von der Welttierschutzgesellschaft mit Sitz in Berlin.

„Einerseits ist das eine gute Sache gerade für große Tierheime, die viele Welpen haben und gar nicht die Möglichkeit, sie alle mit Menschen in Kontakt zu bringen“, sagt die Expertin, die sich auf Bali kürzlich bei Tierheimen selbst ein Bild von deren Arbeit gemacht hat. Wenn Welpen durch solche Angebote sozialisiert und auf eine Adoption vorbereitet würden, könne der Trend durchaus positiv sein.
Welche Gefahren drohen?
„Das Gefährliche ist, wenn Menschen gar nicht mehr das Tierwohl im Sinn haben, sondern nur das Geld“, betont Plasse. Denn mittlerweile bieten auch viele gewerbliche Hundezüchter Puppy Yoga an und vermehren Welpen vor allem, um ihre Einnahmen zu steigern. Die Tierrechtsorganisation Peta berichtet auf ihrer Webseite von teils „katastrophalen Zuständen“ und Misshandlungen.
Gleichzeitig droht ein anderes Problem: „Kursangebote mit Hundewelpen können die Nachfrage insbesondere nach „Mode- und Rassewelpen“ erhöhen, während die Tierheime in Deutschland massiv überfüllt sind – auch mit Welpen – und sogar Aufnahmestopps verhängen“, schreibt Peta.











