Unternehmen aus Hamburg
Ticketanbieter pleite: Insolvenz trifft Fans und Künstler
15.04.2026 – 02:55 UhrLesedauer: 2 Min.
Eine Hamburger Ticketfirma ist insolvent und bringt Fans in Unsicherheit. Besonders hart trifft es eine Künstlerin kurz vor Tourstart.
Eine Hamburger Firma ist insolvent – und hat damit Hunderte Konzertfans und eine aufstrebende Rapperin kalt erwischt. Die Deluxeboxen GmbH, bekannt unter der Marke Releeze, verkaufte Tickets und Merchandise für Künstlerinnen und Künstler wie AC/DC, Ed Sheeran oder Udo Lindenberg. Am 9. April 2026 leitete das Amtsgericht Hamburg das Insolvenzeröffnungsverfahren ein. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Tjark Thies von der Kanzlei Reimer Rechtsanwälte bestellt, wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtet.
Besonders hart trifft es die Wiener Rapperin Vicky, die in Berlin lebt. Ihr Tourstart sollte am 14. April in Heidelberg sein – daraus wurde nichts. „Das ganze Geld für fast alle verkauften Tickets und damit auch die Finanzierung der Tour ist von einem auf den anderen Moment weggefallen“, schrieb sie unter einem Instagram-Video, das sie sichtlich bewegt zeigt.
Sie nennt es einen „Schlag in die Fresse“. Vollständig absagen musste sie die „Wann Welttournee?“-Tour dennoch nicht: Zwei Sponsoren sprangen ein. Zwei Tourstopps fallen allerdings weg – der Auftakt in Heidelberg und das Konzert in Zürich. Fans mit Heidelberg-Ticket dürfen stattdessen zur Show in Frankfurt am Main am 29. April. Das Konzert am 22. April im Hamburger Club Uebel & Gefährlich ist bereits ausverkauft.
Releeze ist in der Branche vor allem als Merchandise-Anbieter bekannt, mit Kleidung, Tonträgern und Produktpaketen für Künstlerinnen und Künstler wie AC/DC, Ed Sheeran, Udo Lindenberg oder Bausa. Die 2018 gegründete Deluxeboxen GmbH beschäftigt 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Unternehmen teilte mit, der laufende Betrieb sei unberührt, alle Tickets blieben gültig. Ziel sei eine Sanierung unter dem Schutzschirm des Verfahrens. Weitere Firmen der Releeze-Gruppe seien nicht betroffen.
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Der Fall beleuchtet ein strukturelles Problem des Konzertgeschäfts: Vorverkaufserlöse landen zunächst beim Ticketdienstleister, Veranstaltungsorte erhalten ihr Geld erst später. Gerät ein Anbieter in die Insolvenz, werden die Clubs zu Gläubigern. Ein vergleichbares Szenario hatte im Februar die Pleite der Berliner Konzertkasse Koka36 ausgelöst. Der Unterschied: Die Berliner hatten den Betrieb damals bereits eingestellt, Deluxeboxen führt ihn vorerst weiter.
Die Insolvenz trifft die Wirtschaft ohnehin in schwierigem Fahrwasser. Im ersten Quartal 2026 wurden in Deutschland 4.573 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften verzeichnet – laut dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle der höchste Stand seit 2005, höher als selbst während der Finanzkrise 2009. „Unsere Frühindikatoren lassen für das zweite Quartal 2026 wenig Raum für Optimismus“, sagte IWH-Forscher Steffen Müller. „Wir erwarten weiterhin sehr hohe Insolvenzzahlen.“











