Kontroverser Personalwechsel
Taliban-Mann führt Botschaft – Bundesregierung ahnungslos
22.03.2026 – 09:25 UhrLesedauer: 1 Min.
Ein Taliban-Mitglied soll die afghanische Botschaft in Berlin leiten – ohne Wissen der Bundesregierung. Deutschland wäre damit ein Novum in der EU.
Ein Mitglied der radikalislamischen Taliban leitet offenbar die afghanische Botschaft in Berlin. Das berichtet die ARD. Demnach sei die Bundesregierung über den Personalwechsel nicht informiert worden.
Bei dem Mann handelt es sich laut dem Bericht um Nebrasul H. Er fungiere inzwischen als sogenannter Geschäftsträger. In dieser Rolle führt er eine Botschaft, wenn kein Botschafter eingesetzt ist oder dieser fehlt.
Nebrasul H. war demnach erst im Juli vergangenen Jahres als Konsularbeamter nach Deutschland gekommen – mit Zustimmung der Bundesregierung. Über die später offenbar geplante Übernahme der Botschaftsleitung hätten die Taliban die deutschen Behörden jedoch nicht informiert.
Der bisherige Leiter der Botschaft soll laut ARD-Recherchen bereits Anfang Januar entmachtet worden sein. Offiziell werde er weiterhin als Geschäftsträger geführt, habe aber faktisch keine Entscheidungsgewalt mehr. Nach außen sei der Wechsel demnach zunächst nicht sichtbar gewesen.
Für die Bundesregierung ist der Vorgang politisch heikel. Deutschland erkennt die Taliban nicht als legitime Regierung Afghanistans an. Dennoch bestehen Kontakte, etwa bei Fragen zur Rückführung afghanischer Straftäter.
Deutschland wäre nach dem Bericht der erste Staat in der Europäischen Union, in dem die Taliban faktisch die Leitung einer Botschaft übernommen haben. Eine offizielle Bestätigung der Bundesregierung zu dem Personalwechsel lag zunächst nicht vor.











