Ist die Tablette besser?

Warum so viele die Behandlung mit Abnehmspritzen abbrechen


01.09.2026 – 15:24 UhrLesedauer: 3 Min.

Abnehmen per Spritze (Symbolbild): Nach dem Absetzten der Medikamente kehren Appetit und Gewicht wieder zurück.

Abnehmen per Spritze (Symbolbild): Nach dem Absetzen der Medikamente kehren Appetit und Gewicht zurück. (Quelle: Rolart Studio/getty-images-bilder)

Abnehmspritzen mit Semaglutid können beim Abnehmen helfen, doch viele Menschen halten die Behandlung nicht lange durch. Wer besonders häufig abbricht und welche Gründe dahinterstecken könnten.

Semaglutid dämpft den Appetit und verstärkt das Sättigungsgefühl. Der Wirkstoff gehört zu den sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten. Diese Medikamente ahmen die Wirkung des körpereigenen Darmhormons GLP-1 nach, das unter anderem an der Regulierung des Appetits beteiligt ist.

Eine aktuelle Studie zeigt allerdings ein Problem der Therapie: Viele Menschen setzen Semaglutid schon innerhalb des ersten Jahres wieder ab. Forscher der Universität Aarhus untersuchten dafür landesweite Registerdaten aus Dänemark. Die Ergebnisse erschienen Ende August 2026 im Fachjournal „JAMA Network Open“.

Seit heute gibt es Semaglutid in Deutschland auch als Abnehmtablette. Damit stellt sich eine neue Frage: Könnte die tägliche Pille für manche Menschen die bessere Alternative zur wöchentlichen Spritze sein?

Etwa jeder Zweite bricht die Behandlung ab

Für die aktuelle Studie betrachteten die Forscher Erwachsene ohne Diabetes, die zwischen Dezember 2022 und November 2024 erstmals Semaglutid zur Behandlung von Übergewicht oder starkem Übergewicht (Adipositas) genutzt hatten. Als Abbruch werteten sie es, wenn nach dem errechneten Ende des Medikamentenvorrats mindestens 60 Tage lang kein neues Rezept ausgestellt wurde.

Das Ergebnis: Etwa die Hälfte beendete die Behandlung innerhalb eines Jahres. In allen untersuchten Gruppen lag das Risiko eines Abbruchs bei mindestens 41 Prozent. Besonders häufig hörten jedoch jüngere Menschen auf. Bei den 18- bis 29-Jährigen lag das Risiko um 49 Prozent höher als bei den 45- bis 59-Jährigen. Männer brachen die Therapie zudem häufiger ab als Frauen: Ihr Risiko lag um 16 Prozent höher.

Aber nicht jeder Abbruch bedeutete das endgültige Aus. Jeder Vierte begann innerhalb von drei Monaten erneut mit Semaglutid. Nur wenige wechselten auf ein anderes Abnehmmedikament.

Forscher warnen vor Unterbrechungen

Längere Unterbrechungen können jedoch den Erfolg gefährden. Denn die Behandlung mit Semaglutid sei langfristig angelegt, schreiben die Autoren. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich Reimar W. Thomsen von der Universität Aarhus zu den hohen Abbruchraten des Medikaments geäußert. Damals sagte er: „Dieses Ausmaß an Abbrüchen ist besorgniserregend, da diese Medikamente nicht als kurzfristige Lösung gedacht sind. Alle positiven Auswirkungen auf die Appetitkontrolle gehen verloren, wenn das Medikament abgesetzt wird.“

Dadurch steige auch das Risiko für eine erneute Gewichtszunahme, den gefürchteten Jo-Jo-Effekt. Einer Auswertung aus diesem Jahr zufolge kehren Menschen nach dem Absetzen innerhalb von 18 Monaten wieder zu ihrem Ausgangsgewicht zurück. Damit könnte der Jo-Jo-Effekt stärker sein als bei normalen Diäten.

Hohe Kosten als mögliche Ursache

Laut den Autoren könnten finanzielle Faktoren eine entscheidende Rolle spielen. Menschen aus einkommensschwachen Haushalten hatten ein um elf Prozent höheres Abbruchrisiko als Menschen aus wohlhabenden Gemeinden.

Die Forscher verweisen dabei auf die hohen Kosten. In Dänemark kostet Semaglutid zur Gewichtsreduktion je nach Dosis rund 2.200 bis 3.700 Euro pro Jahr. Patienten erhalten dort dafür derzeit keine Kostenerstattung. Zum Vergleich: In Deutschland liegen die Kosten bei etwa 170 bis 300 Euro pro Monat, das entspricht 2.050 bis 3.600 Euro pro Jahr.

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