PMDS: Ja oder nein? Diese Frage kennt Stephanie Eder, Expertin des Berufsverbandes der Frauenärzte e. V. (BVF) und Fachärztin für Gynäkologie. Sie hat regelmäßig Patientinnen, die mit ihren Symptomen zu ihr kommen: „Es gibt Frauen, die in dieser Zyklusphase kurzerhand ihren Job hinschmeißen, weil sie emotional so instabil sind – meist können sie sich das einige Tage später selbst nicht ganz erklären, weil die Welt dann wieder anders aussieht“, erzählt die Expertin.
Auch Partnerschaften und Freundschaften können massiv darunter leiden, weil die erkrankte Person sich anders verhält, vielleicht eher zu Streit und impulsivem Verhalten neigt und der Grund nicht klar ist. PMS-Symptome können sich im Laufe des Lebens durch hormonelle Veränderungen wie Schwangerschaft oder Wechseljahre verschlimmern und das PMDS damit plötzlich neu auftreten. Gerade diese fließenden Übergänge zwischen PMS und PMDS erschwert die Diagnose, die vor allem auf Anamnese basiert. Wie genau läuft das ab?
Während andere Krankheiten über Blutabnahme und Speicheltests festgestellt werden können, geht das bei PMDS nicht. Allerdings kann es helfen, andere Erkrankungen auszuschließen. Das gilt nicht für psychische Krankheiten. Durch Symptom-Überschneidung wird PMDS oft mit psychischen Krankheiten wie einer bipolaren Störung, Borderline oder Depressionen verwechselt. Das führt immer wieder zu falschen Diagnosen.
Zwei Faktoren gelten in Fachkreisen als wichtige Erkennungsmerkmale für die Krankheit: die psychischen Symptome dominieren und die Beschwerden treten ausschließlich in der zweiten Zyklushälfte auf. Um das genau verfolgen zu können, wird empfohlen, mehrere Monate lang ein Zyklus-Tagebuch zu führen. Hierunter versteht man ein Tagebuch oder einen Tracker per App, in dem die Symptome dokumentiert werden. Das hilft, andere Ursachen auszuschließen und Zusammenhänge zwischen Beschwerden und Zyklusphasen zu erkennen und kann der behandelten Ärztin oder dem Arzt zur weiteren Analyse dienen.
Der Weg zur Diagnose dauert bei Betroffenen teils viele Jahre. Zu den Gründen zählt fehlende Aufklärung bis hin zu Scham. Stephanie Eder versteht das Problem: „Jeder kennt den Satz: Hast du deine Tage, oder was? Das sorgt dafür, dass sich die Frauen nicht ernst genommen fühlen und vielleicht gar nicht zum Arzt gehen, obwohl sie leiden.“ Dabei sollte als Erstes ein Termin bei der eigenen Gynäkologin oder dem Gynäkologen ausgemacht werden. Dann beginnt die Anamnese, von der das Zyklus-Tagebuch ein maßgeblicher Teil ist und die Behandlungsmöglichkeiten werden besprochen.












