Suchtexperten fordern
Auch diese Produkte sollen teurer werden
Aktualisiert am 16.04.2026 – 08:16 UhrLesedauer: 3 Min.
Obwohl die Deutschen inzwischen weniger Alkohol trinken als noch vor einigen Jahrzehnten, mahnen Mediziner weitere Restriktionen an. Warum Suchtforscher auch die Politik am Zug sehen.
Nachdem zuletzt viel über eine Zuckersteuer in Deutschland diskutiert wurde, fordern Suchtforscher der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) jetzt auch höhere Steuern und strengere Regeln beim Verkauf von Alkohol. Wie aus dem aktuellen Jahresbericht der DHS hervorgeht, hat Deutschland eine der am wenigsten restriktiven Alkoholgesetzgebungen in Europa und nach wie vor einen überdurchschnittlich hohen Konsum.
Carolin Kilian, Mitautorin des Berichts, sagte: „Schon einfache Maßnahmen zur Alkoholkontrolle könnten helfen, den immer noch hohen Alkoholkonsum in Deutschland zu senken – und die damit verbundene Krankheitslast und die Kosten zu reduzieren.“ Auch die DHS beklagt in einer Mitteilung anlässlich der Veröffentlichung des Jahrbuchs „große Defizite in der Alkoholpolitik“.
Es gebe inzwischen gute wissenschaftliche Belege aus Ländern wie Schweden oder Litauen, dass bestimmte regulative Maßnahmen gut geeignet seien, den Konsum in der Bevölkerung und die damit verbundenen negativen Folgen zu reduzieren, erklärt Kilian, die am National Institut of Public Health im dänischen Kopenhagen forscht und lehrt. Dazu zählt sie etwa höhere Verbrauchsteuern, Einschränkungen bei der Dauerverfügbarkeit von Alkohol sowie Marketingverbote.
So gebe es in Deutschland keine Weinsteuer, auch die Biersteuer sei sehr niedrig. „Wenn hier die Steuersätze steigen, ist das eine sehr einfache Maßnahme, die direkt und wirkungsvoll Verhaltensänderungen herbeiführen kann“, so Kilian. „Daneben wäre es sehr wünschenswert, dass Alkohol nicht immer und überall verfügbar ist.“ Denkbar sei etwa ein Verkaufsverbot von Alkohol an Tankstellen – „zumindest ein Anfang“, so Kilian.
„Deutschland gehört zu den Hochkonsumländern“, sagt die Expertin für öffentliche Gesundheit. Zwar sei der Konsum insgesamt rückläufig, das gelte aber nicht für alle Bevölkerungsgruppen. „Insbesondere junge und gebildete Frauen trinken heute eher mehr als noch vor 20 oder 30 Jahren“, so die Expertin.
Zwar konsumieren die Deutschen heute insgesamt weniger alkoholische Getränke als noch vor mehr als 15 Jahren. Laut DHS stagniert der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum auf immer noch zu hohem Niveau.












