Mehrfachnutzen
Impfung gegen Gürtelrose könnte mehr bringen als gedacht
31.08.2026 – 15:15 UhrLesedauer: 2 Min.
Wer sich gegen Gürtelrose impfen lässt, erwartet vor allem Schutz vor der schmerzhaften Erkrankung. Aber auch Herz und Kreislauf könnten davon profitieren.
Der aktuelle Impfstoff gegen Gürtelrose (Herpes Zoster), ein sogenannter Totimpfstoff, schützt womöglich auch das Herz und die Gefäße, wie eine Studie aus den USA zeigt. Danach haben Menschen nach einer Impfung mit dem Totimpfstoff eine deutlich geringere gesundheitliche Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen als nach Gabe des älteren Lebendimpfstoffs. Nachzulesen sind die Ergebnisse im Fachjournal „Nature Medicine“.
Einführung des neuen Impfstoffs genutzt
Für die Studie nutze das Forschungsteam die rasche Umstellung von einem Lebendimpfstoff auf den Totimpfstoff, die in den USA ab Oktober 2017 stattgefunden hatte, als eine Art natürliches Experiment. Es verglich die Gesundheitsdaten von insgesamt 72.920 Personen: Die Hälfte von ihnen war vor und die andere Hälfte nach der Umstellung gegen Gürtelrose geimpft worden. Dabei achtete das Team darauf, dass sich die beiden Gruppen hinsichtlich Alter, Geschlecht, Begleiterkrankungen und Arzneimittelanwendung möglichst ähnlich waren.
Der Hauptfokus der Studie lag auf drei Herz-Kreislauf-Erkrankungen: koronare Herzkrankheit (KHK), Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und ischämischer Schlaganfall (Schlaganfall infolge einer Minderdurchblutung beziehungsweise Hirninfarkt).
KHK und Herzschwäche bei Frauen und Männern seltener
Die Auswertung ergab, dass bei den überwiegend mit dem Totimpfstoff Geimpften die gesundheitliche Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachfolgend über einen Zeitraum von sieben Jahren insgesamt um neun Prozent geringer war.
Dieser Vorteil zeigt sich auch bei den einzelnen Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bei Frauen und Männern war die gesundheitliche Belastung durch die koronare Herzkrankheit nach Gabe des Totimpfstoffs um 10 Prozent, die durch Herzschwäche um 12 Prozent niedriger. Bei Männern sank zudem das Risiko für ischämische Schlaganfälle um 12 Prozent.
Ergebnisse kritisch betrachtet
Ob der Totimpfstoff gegen Gürtelrose einen direkten Schutzeffekt auf das Herz-Kreislauf-System hat, lässt sich anhand der Studie nicht beantworten. Die Ergebnisse zeigen nur einen Zusammenhang, beweisen aber keine Beziehung zwischen Ursache und Wirkung. Denkbar wäre aber etwa, dass die Impfung Veränderungen im Immunsystem sowie im Herz und in den Gefäßen hervorruft, die eine schützende Wirkung haben könnten.
Der Vergleich mit dem älteren Lebendimpfstoff birgt einen weiteren Unsicherheitsfaktor: Das Forschungsteam ging davon aus, dass dieser keinerlei Schutz für das Herz-Kreislauf-System bietet. Allerdings gibt es Studien, die einen solchen Effekt auch für den Lebendimpfstoff gezeigt haben. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, könnte der Vorteil des Totimpfstoffs sogar größer sein, als es die Ergebnisse der aktuellen Studie nahelegen.
Was bedeutet das für die Gesundheit?
Die Studie liefert wichtige Hinweise darauf, dass der Totimpfstoff gegen Gürtelrose womöglich auch das Herz schützen könnte – ein doppelter Gewinn für die Gesundheit. Angesichts der hohen weltweiten Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen würde dies langfristig auch große Bedeutung für die öffentliche Gesundheit haben. Nach Ansicht des Forschungsteams sprechen die Ergebnisse daher für „klinische Studien und Untersuchungen der Wirkmechanismen, um mögliche herzschützende Wirkungen von Impfstoffen gegen Gürtelrose zu untersuchen“.











