Erstaunliche neue Studie
Die wahren Herrscher der Urmeere?
Aktualisiert am 24.04.2026 – 08:45 UhrLesedauer: 3 Min.
Sie waren riesig, intelligent und effizient: Gigantische Oktopus-Verwandte jagten schon vor bis zu 100 Millionen Jahren Beute, die bislang anderen Jägern zugeschrieben wurde.
Vor bis zu 100 Millionen Jahren, in der Kreidezeit, sollen gigantische, krakenartige Oktopus-Verwandte mit bis zu 19 Metern Länge die Ozeane durchstreift haben. Mit kräftigen Schnäbeln zermalmten sie Knochen und Schalen – möglicherweise auch große Meeresreptilien. Darauf deuten neue Analysen von Fossilien hin, deren Ergebnisse am Donnerstag im Fachjournal „Science“ veröffentlicht wurden.
„Unsere Studie zeigt, dass es sich nicht einfach um große Versionen moderner Oktopusse gehandelt habe“, sagte Studienleiter Yasuhiro Iba, Paläontologe an der japanischen Hokkaido-Universität, dem „Guardian“. Sie seien gigantische Räuber an der Spitze der marinen Nahrungskette der Kreidezeit gewesen. Das verändere die Vorstellung, dass diese Meere nur von großen Wirbeltieren dominiert worden seien.
Spurensuche im Verborgenen
Die Kreidezeit dauerte etwa von vor 145 bis 66 Millionen Jahren – eine Epoche mit deutlich wärmerem Klima und höheren Meeresspiegeln. Bislang galten Haie und Meeresreptilien wie Mosasaurier oder Plesiosaurier als die dominanten Jäger dieser Zeit. Das liegt auch daran, dass Oktopusse kaum Fossilien hinterlassen, da ihr Körper fast vollständig aus weichem Gewebe besteht. Das Forschungsteam aus Japan und Deutschland konzentrierte sich für die Studie deshalb auf den einzigen harten Teil: die Kiefer, auch Schnabel genannt.
Der „Washington Post“ teilte der Forscher Iba mit, einige der frühesten Oktopusse seien „viel größer gewesen, als wir es uns vorgestellt haben“, während Weichkörperorganismen im Fossilbericht lange „weitgehend unsichtbar geblieben“ seien.
Die Wissenschaftler untersuchten 15 bereits bekannte Fossilien, die zuvor Vampirtintenfischen zugeordnet worden waren, und ordneten sie neu der Gattung Nanaimoteuthis zu. Mithilfe digitaler Verfahren entdeckten sie zudem zwölf weitere Exemplare in Gesteinsschichten, die auf ein Alter von etwa 72 bis 100 Millionen Jahre datiert werden.
Anhand der Größe dieser Kiefer rekonstruierten sie die Körperlänge. Eine Art, Nanaimoteuthis haggarti, könnte demnach sieben bis 19 Meter lang geworden sein – größer als heutige Riesenkalmare, die zu den größten bekannten wirbellosen Tieren zählen.

Jagd mit Präzision
Entscheidend sind die Spuren auf den Fossilien: Deutliche Abnutzung an den Schnäbeln weist darauf hin, dass die Tiere regelmäßig harte Beute zerbissen.
Iba erklärte dem „Guardian“, die Tiere hätten „vermutlich ihre langen Arme genutzt, um Beute zu packen, und ihren kräftigen Unterkiefer, um harte Strukturen wie Schalen oder Knochen zu zerquetschen“. Zu ihrem Beutespektrum könnten Knochenfische, Schalentiere und möglicherweise auch große Meeresreptilien gehört haben.
Der Paläobiologe Thomas Clements von der University of Reading, der nicht an der Studie beteiligt war, sagte dem „Guardian“: „Einen Schnabel dieser Größe zu sehen, ist ehrlich gesagt ziemlich erstaunlich. Das war ein riesiges Tier. Ich hätte sicher nicht im Urmeer schwimmen wollen, wenn diese Tiere dort unterwegs gewesen wären.“











