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Home » Ströer-Chef Udo Müller fordert von Politikern mehr Führungsstärke
Wirtschaft

Ströer-Chef Udo Müller fordert von Politikern mehr Führungsstärke

Von zeit-heute.deJanuar 30, 20264 Min Gelesen
Ströer-Chef Udo Müller fordert von Politikern mehr Führungsstärke
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Ströer-Chef Udo Müller fordert von Politikern mehr Führungsstärke

Welche Rolle nimmt t-online deiner Ansicht nach in diesem Umfeld ein?

Eine sehr wichtige. Als nicht elitäre, neutrale Informationsplattform, die Qualitätsjournalismus ohne Bezahlschranke anbietet, hat t-online fast schon ein Alleinstellungsmerkmal. Es ist wichtig, den Zugang zu vertrauenswürdigen Informationen für die gesamte Bevölkerung zu sichern, gerade weil das Medienangebot absehbar schrumpft. t-online nimmt die Verantwortung wahr, eine wirtschaftlich gesunde, politisch ausgewogene Plattform bereitzustellen, die Bürgern hilft, sich unabhängig zu informieren und eine eigene Meinung zu bilden. Das ist auch deshalb so wichtig, weil die Politik sich gegenwärtig schwertut, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es wird viel gesagt und angekündigt, „wir müssten, wir könnten, wir sollten“, aber am Ende passiert zu wenig.

Ich wünsche mir von der Politik mehr Führungswillen und mehr Konzentration auf das Wesentliche. In stürmischen Zeiten wie jetzt kann man es nicht allen gesellschaftlichen Gruppen recht machen. Und es hat verheerende Folgen, wenn in einer Regierung zwei oder drei Parteien sitzen, die in erster Linie versuchen, ihre jeweilige Wählerklientel zufriedenzustellen. Das Ausmaß an Opportunismus in der Politik ist zeitweise bestürzend. Ich wünsche mir Politiker, die aus eigener Überzeugung das Beste fürs Land tun – auch auf die Gefahr hin, nicht wiedergewählt zu werden. Natürlich macht es keinen Spaß, unangenehme Entscheidungen zu treffen. Aber wenn man sie scheut, richtet man noch viel größeren Schaden an.

Gilt das auch für dich als Unternehmer?

Auf jeden Fall. Auch wir korrigieren Fehlentwicklungen. Ein Beispiel ist aus meiner Sicht das Homeoffice, das in der Corona-Zeit entstanden ist: Bei Ströer fahren wir jetzt, wie viele andere Unternehmen, von zweieinhalb Tagen auf einen Tag pro Woche zurück. Nicht aus dogmatischen Gründen, sondern wegen der Effizienz: Teams funktionieren mittel- und langfristig besser, können besser voneinander lernen und entwickeln eher eine Schwarmintelligenz, wenn ihre Mitglieder nah beieinander arbeiten. Wir müssen in einem hochkompetitiven Umfeld Wert produzieren, das gelingt besser, wenn man sich räumlich begegnet.

Das gemeinsame Feuer kann nur entstehen, wenn der Funke überspringt – und er springt im Videocall nur schwer über. Was Unternehmen wirklich nach vorn bringt, ist das, was durch gelebte Gemeinschaft entsteht: der Mehrwert eines Teams – Energie, die entsteht, wenn Menschen gemeinsam an einem Ort sind, sich sehen, sich zuhören, sich in Frage stellen und sich ergänzen. Gleichzeitig schließen wir eine Gerechtigkeitslücke, weil aufgabenbedingt schon bisher 80 Prozent unserer Mitarbeitenden vier bis fünf Tage mit ihrem Team im Büro arbeiten.

Das gefällt aber sicher nicht allen Mitarbeitenden, viele haben Kinder oder lange Anfahrtswege.

Wo es einzelne Härtefälle gibt, müssen wir flexibel reagieren. Aber wir dürfen nicht so tun, als stünden wir nicht in einem harten Wettbewerb. Stell dir eine Fußballmannschaft vor, die gesagt bekommt: „Trainiert ihr mal schön zu Hause! Und dann kommt am Samstag zusammen auf den Platz und gewinnt!“ Es würde nicht funktionieren.

Weniger Homeoffice beeinträchtigt aber auch die flexible Alltagsgestaltung der Leute.

Trotzdem ist es richtig. Als Firma, aber auch als Volkswirtschaft, als Land brauchen wir jetzt gebündelt unsere ganze Kraft, um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Die regelbasierte Weltordnung ist kaputt, es gilt leider wieder das Recht des Stärkeren. Das deutsche Handelsbilanzdefizit gegenüber China liegt auf dem Rekordwert von 87 Milliarden Euro. Die Chinesen arbeiten zwölf Stunden pro Tag und sechs Tage pro Woche, Homeoffice ist dort vollkommen unbekannt. Selbst die Amerikaner arbeiten 30 Prozent länger als wir. Früher habe ich von meinen Eltern, Großeltern, Onkeln und Tanten immer gehört: Wir arbeiten, damit unsere Kinder es irgendwann einmal besser haben als wir. Das habe ich jetzt seit 20 Jahren nicht mehr gehört, das vermisse ich. Wir verspielen unsere Zukunft. Es kann nicht nur darum gehen, das eigene Wohlergehen zu optimieren. Wir müssen auch Verantwortung für unsere Nachkommen übernehmen. Das ist gelebte Solidarität. Hierzulande müssen wir uns jetzt richtig anstrengen, um unseren Wohlstand nicht nur für uns, sondern auch für kommende Generationen zu sichern.

Vielen Dank für das Gespräch.

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