
„Alcatraz“ von Frankfurt
Streit um Schulumzug in ehemalige DB-Zentrale
09.01.2026 – 15:55 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Umzug der Berta-Jourdan-Schule steht auf der Kippe. Eigentlich sollte sie ins „Alcatraz“ von Frankfurt ziehen.
Die Zukunft des geplanten Umzugs der Beruflichen Schulen Berta Jourdan in die ehemalige Zentrale der Deutschen Bahn (DB) im Frankfurter Stadtteil Gallus ist weiter offen. Obwohl SPD und Grüne im Römer weiterhin gemeinsam regieren, stehen sie bei dem Schulprojekt nun öffentlich gegeneinander. Nachdem die Grünen dem Vorhaben ihre Unterstützung entzogen haben, fehlt Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) im Magistrat die Mehrheit für den Standortwechsel von der Adlerflychtstraße im Nordend in die Stephensonstraße 1.
An der Berta-Jourdan-Schule in der Adlerflychtstraße (Nordend) werden derzeit rund 1.800 Schülerinnen und Schüler ausgebildet. Nach Angaben der Schulleitung reicht der Platz am bisherigen Standort nicht aus. Durch einen Umzug könnten in den kommenden Jahren zusätzlich rund 2.000 Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet werden.
Als neuer Standort war ein früheres Bahnverwaltungsgebäude vorgesehen. Die 65 Meter hohe DB-Zentrale im Gallus wurde zwischen 1991 und 1993 errichtet, ist im brutalistischen Stil gestaltet und steht als Kulturdenkmal unter Schutz des Hessischen Denkmalschutzgesetzes. Das Gebäude verfügt über rund 51.000 Quadratmeter Fläche und ist im Frankfurter Sprachgebrauch auch unter dem Spitznamen „Alcatraz“ in Anlehnung an den Betonbau auf der ehemaligen amerikanischen Gefängnisinsel.
Die Grünen halten die Anmietung für überflüssig und zu teuer. „Das Gebäude ist für eine schulische Nutzung völlig ungeeignet“, erklärten die Grünen-Sprecher Tara Moradi und Burkhard Schwetje. Die geplanten Kosten stünden „in keinem angemessenen Verhältnis zum Nutzen“.
Stattdessen verweisen die Grünen auf alternative Standorte. Unter anderem nennen sie ein früheres Postbankgebäude an der Eckenheimer Landstraße, das sich im Eigentum der Stadt befindet und bislang leer steht.
Die SPD reagierte mit scharfer Kritik. Parteivorsitzender Kolja Müller erklärte: „Wer 2.000 Erzieherinnen und Erzieher verhindern will, muss das den Kitas, Eltern und Kindern erklären.“ Der Fachkräftemangel in der frühkindlichen Bildung sei akut.
Unterstützung erhält die SPD von der CDU. Wie die „Frankfurter Rundschau“ berichtet, hat die CDU ihre grundsätzliche Zustimmung zur Anmietung der ehemaligen DB-Zentrale signalisiert.
Bildungsdezernentin Sylvia Weber will ihren Vorschlag dennoch weiterverfolgen. Nach Angaben ihres Büros soll der Magistrat im Laufe des Januars über die Anmietung entscheiden.











