Marie Strack-Zimmermann und Jan van Aken prallen bei „Maischberger“ aufeinander. Die FDP-Politikerin spricht von fehlender Wehrfähigkeit Europas, van Aken warnt vor „Voodoo“-Prognosen.
„Sie strapazieren mich sehr“: Mit diesen Worten widersprach FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann dem Linken-Chef Jan van Aken, der sich überzeugt zeigte, dass der aktuelle Verteidigungsetat der Bundeswehr ausreiche – vorausgesetzt, er werde tatsächlich für die Landesverteidigung verwendet.
- Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) – Verteidigungsexpertin
- Jan van Aken (Die Linke) – Parteivorsitzender
- Eckart von Hirschhausen – Arzt und Wissenschaftsjournalist
- Amelie Fried – Autorin und Journalistin
- Daniel Friedrich Sturm – Leiter des Hauptstadtbüros, Der Tagesspiegel
- Yasmine M’Barek – Redakteurin, Zeit Online
Dabei waren beide Gäste trotz klarer inhaltlicher Differenzen anfangs noch betont respektvoll miteinander umgegangen. Später wurde besonders Strack-Zimmermann in ihrem Tonfall drastischer und warf dem Linken-Politiker Naivität und Realitätsferne vor.
Der Schlagabtausch prägte am Mittwochabend die „Maischberger“-Sendung, in deren Zentrum die Frage stand, wie Europa sich gegen eine mögliche Bedrohung aus Russland wappnen solle – und ob die hunderte Milliarden schwere militärische Aufrüstung der richtige Weg für Deutschland sei. Während Strack-Zimmermann für höhere Verteidigungsausgaben plädierte, warnte van Aken vor sicherheitspolitischen Debatten auf Basis spekulativer Prognosen.
Besonders die immer wieder genannte Jahreszahl 2029 sorgte für Widerspruch beim Linken-Politiker. Ab dann soll Russland nach Schätzung von Militärexperten für einen Angriff auf andere europäische Staaten bereit sein: „Ich will endlich mal verstehen, wo das herkommt. Das ist Voodoo“, sagte er. Er wolle keine militärische Aufrüstung auf Grundlage von Spekulationen: „Nur weil das Militär das erzählt, muss man das nicht glauben.“
Zuvor war bereits die Einschätzung des Militärhistorikers Sönke Neitzel diskutiert worden, der gewarnt hatte, dieser Sommer könnte der letzte Sommer im Frieden sein. Strack-Zimmermann räumte ein, dass sie diese Aussage für problematisch halte. Ein Wissenschaftler dürfe dies jedoch. „Ich bin nicht in die Politik gegangen, um Menschen Angst zu machen – sondern um Lösungen anzubieten“, so Strack-Zimmermann. Yasmine M’Barek nannte solche Szenarien eine „Hysterie, die ich unfair finde gegenüber einer Bevölkerung, die vielleicht auch Angst hat und das nicht unbedingt einsortieren kann.“
Gleichzeitig betonte sie aber auch: „Wir sind ja gar nicht mehr im Frieden, wir sind auch nicht im Krieg.“ Es gebe längst hybride Angriffe, Cyberattacken, Beeinflussung im Internet. „Das läuft schon seit Jahren und wir müssen uns einfach darauf einstellen, dass das auch noch deutlich heftiger wird, um die Resilienz auch der Bevölkerung zu schwächen.“
Van Aken kritisierte, die Bedrohung von Russlands werde als Vorwand genommen, um Mittel für andere weltweite Auslandseinsätze aufzustellen. Als Beispiel nannte er milliardenteure Fregatten, die man laut ihm in der Ostsee nicht brauche und die nur für weltweite Einsätze konzipiert seien. Strack-Zimmermann reagierte: „Das ist gerade so brutal naiv, was Sie hier servieren, dass einem wirklich nichts mehr einfällt.“ Die FDP-Politikerin weiter: „Das ist schon Hardcore, was Sie hier servieren.“ Sie konterte: „Wenn unsere Seewege nicht geschützt sind, dann geht das an die Substanz auch der Europäer.“
Auch die Rolle der USA wurde diskutiert. Van Aken betonte: „Ich bin mir sicher, natürlich geht es ohne die USA.“ Die europäischen Nato-Staaten müssten ihre Sicherheit europäisch organisieren. „Wenn man vor zehn Jahren einmal auf die Linken gehört hätte, dann hätten wir jetzt wahrscheinlich schon ein viel stärkeres europäisches Sicherheitskonzept.“
Strack-Zimmermann zeigte sich überzeugt, dass die kontrovers aufgenommene Kritik aus den USA gegenüber Europa berechtigt sei. Den US-Tonfall kritisierte sie indes: „Dass die uns, mit Verlaub, als Weicheier empfinden – zum Kotzen.“ Und weiter, in Richtung van Aken: „Wenn wir jetzt mal die von Ihnen ungeliebte Nato nehmen, ist es natürlich bizarr, dass USA 65 Prozent der Kosten tragen und 29 EU-Staaten unter 30 Prozent. Da haben die Amerikaner einen Punkt.“ Daniel Friedrich Sturm ergänzte: „Wir werden noch viele, viele Jahre lang auf die Amerikaner angewiesen sein – was den Austausch von Geheimdienstinformationen angeht, was Flugabwehr angeht, was Munition angeht.“
Zum Schluss der Diskussion zwischen Strack-Zimmermann und Van Aken kam es zu einem erneuten, wenn auch subtileren Schlagabtausch. Ob er es schade fände, dass die FDP nicht mehr im Bundestag vertreten sei, wollte Moderatorin Sandra Maischberger vom Linken-Chef wissen. „Schade nicht. Aber wir Linken treten nicht nach unten. Deswegen sage ich jetzt nichts Schlechtes über die FDP.“ Strack-Zimmermann reagierte mit einem Versprechen: „Wir werden kämpfen und in vier Jahren wieder da sein.“ Eine letzte Spitze gab sie ihm auch noch mit: „Ich prophezeie Ihnen jetzt schon, weil ich ja älter bin als Sie: Wer hoch fliegt, landet in der Regel hart und auch Sie werden das erleben. Aber Happy Landing.“