
Warnung an Kollegen
Sternekoch: Auffällige Veränderung bei den Gästen
18.01.2026 – 10:33 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Kölner Koch des Jahres erklärt in einem Interview, warum Sternerestaurants untergehen, wenn sie sich nicht ändern. Wie er darauf kommt.
Schluss mit Anzug und Abendkleid: Der Kölner Zwei-Sterne-Koch Daniel Gottschlich erlebt in der luxuriösen Fine-Dining-Gastronomie Veränderungen. Seine These: Die Zeiten, in denen sich Gäste für Gourmetrestaurants schick anziehen mussten, sind vorbei.
„Muss ich mich als Gast noch verkleiden, wenn ich in ein Gourmetrestaurant gehe? Brauche ich heute noch Tischetikette? Nein“, sagt Gottschlich im Interview mit dem „Spiegel“. So überzeugt ist der 43-Jährige von seiner Position, dass er den Satz „Fine Dining is dead“ auf die Personalkleidung seines Kölner Restaurants „Ox & Klee“ am Rheinauhafen drucken ließ.
Auf den Einwand, dass Gäste in Flipflops, kurzen Hosen und T-Shirts in einem Dreisternerestaurant unangemessen wirken könnten, antwortet Gottschlich in dem Interview pragmatisch: „So einen Aufzug fände ich jetzt auch nicht besonders toll, aber ich kann auch nicht sagen: ‚Komm wie du bist‘, und dann rudere ich bei einem T-Shirt zurück. Ich nehme die Leute, wie sie sind.“
Der vom Gourmetmagazin „Falstaff“ zum Koch des Jahres gekürte Gottschlich begründet den Wandel mit einem gesellschaftlichen Umbruch: Die traditionelle Haute Cuisine sei früher der oberen Gesellschaftsschicht vorbehalten gewesen, die entsprechende Konventionen und Benimmregeln mittrug. „Das hat sich gewandelt“, sagt er. Seine Warnung an die Branche: „Wir Sternegastronomen werden Fine Dining nicht weiter betreiben können, wenn wir uns nicht verändern.“
Als Grund nennt Gottschlich den Zeitgeist: „Weil es sich abgenutzt hat. Die Leute wollen immer was Neues.“ Statt formeller Etikette setzt er in seinem Restaurant auf interaktive Erlebnisse: Die Gäste erraten am Rheinauhafen dafür etwa mit iPads die Geschmacksqualitäten ihrer Häppchen. Vor dem Hauptgang serviert Gottschlich zudem seine Version des lokalen Klassikers „Halve Hahn“ – mit Kölsch. „Egal welche Altersklasse, das geht an keinem vorbei. Da brechen Gäste in Tränen aus“, berichtet der Koch dem „Spiegel“.
Gottschlich eröffnete das „Ox & Klee“ 2010 im Belgischen Viertel, bevor er in eines der Kranhäuser umzog. Sein Restaurant trägt zwei Michelin-Sterne.









