Vergewaltigt, gelähmt, traumatisiert
Aktive Sterbehilfe: Tod von junger Frau spaltet Spanien
Aktualisiert am 27.03.2026 – 07:15 UhrLesedauer: 3 Min.
Sie wurde mehrfach vergewaltigt, ein Suizidversuch scheiterte. Jetzt starb Noelia Castillo durch aktive Sterbehilfe – und in Spanien wird heftig diskutiert.
Sie wollte sterben und kämpfte seit Jahren dafür. Jetzt wurde ihr Wunsch erfüllt – und entfacht heftige Diskussionen um das Thema Sterbehilfe. Die 25 Jahre alte Noelia Castillo erhielt am Donnerstagabend in einem Krankenhaus in Barcelona auf eigenen Wunsch und gegen den Willen ihrer Eltern eine tödliche Spritze, wie das Gesundheitsministerium der Region Katalonien mitteilte.
Sie hatte eine Querschnittlähmung, die auf einen Suizidversuch nach sexuellen Übergriffen im Jahr 2022 folgte. Sie wohnte damals nach familiären Problemen in einer Unterkunft mit minderjährigen nordafrikanischen Migranten. Sie wurde mehrfach vergewaltigt und sprang von einem Gebäude. Sie überlebte, war aber gelähmt.
Castillo ist die jüngste Person, die in Spanien seit der Legalisierung vor knapp fünf Jahren aktive Sterbehilfe in Anspruch nahm. Ihr Alter, aber auch ihre Lebensgeschichte und ihr psychisches Leiden haben konservative Kritiker und die katholische Kirche wieder auf den Plan gebracht.
Wenige Stunden vor dem Vollzug hatte die Spanische Bischofskonferenz (CEE) bedauert, dass „heute in Spanien der Tod als Lösung für Leid dargestellt wird“. Die CEE sprach auf der Plattform X von einer „Wohlstandsgesellschaft“, die „unfähig ist, zu pflegen und zu lieben“. Konferenzpräsident Luis Argüello sagte: „Ein Arzt darf nicht zum ausführenden Arm eines Todesurteils werden, so legal, selbstbestimmt und mitfühlend es auch erscheinen mag.“
Die junge Frau sah das anders – wie viele, die sich für einen Suizid entscheiden. „Ich kann nicht mehr mit all dem, was mich in meinem Kopf quält, was ich erlebt habe“, hatte Castillo am Mittwoch in einem Interview des Fernsehsenders „Antena 3“ gesagt. Sie wolle „endlich gehen, aufhören zu leiden“ und sich „endlich ausruhen“, sagte sie mit leiser, aber fester, sicherer Stimme.
„Antena 3“ berichtete, vor ihrem Tod habe sich Noelia Castillo im Krankenhaus von ihren Eltern, ihrer Oma mütterlicherseits, ihren beiden Schwestern, von zwei Freundinnen und einer Nonne, die sie unterstützt habe, länger als geplant verabschiedet. Deshalb habe sich der Vollzug verzögert, hieß es.








