Zulassungsplus mit Haken
Deutsche Hersteller geraten bei E-Autos ins Hintertreffen
17.07.2026 – 07:04 UhrLesedauer: 2 Min.

Die Elektromobilität gewinnt in Deutschland deutlich an Bedeutung. Doch vom starken Wachstum profitieren deutsche Hersteller immer weniger.
Im ersten Halbjahr hatten 531.808 der insgesamt rund 1,5 Millionen neu zugelassenen Pkw in Deutschland einen elektrischen Antrieb. Dazu zählen in den Statistiken des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) batterieelektrische Autos, Plug-in-Hybride (mit Stecker) und Brennstoffzellenfahrzeuge. Ihr Marktanteil lag damit bei 35,8 Prozent – mehr als jeder dritte neu zugelassene Pkw fuhr damit zumindest teilweise elektrisch. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stiegen die Neuzulassungen um 37,2 Prozent.
Den größten Zuwachs verzeichneten erneut reine Elektroautos. Von Januar bis Juni wurden 368.006 batterieelektrische Pkw neu zugelassen – 48 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ihr Marktanteil stieg auf 24,8 Prozent. Damit fährt inzwischen fast jeder vierte neu zugelassene Pkw ausschließlich mit Strom.
Hybride ohne externe Lademöglichkeit kamen auf 427.633 Neuzulassungen und einen Marktanteil von 28,8 Prozent. Damit bleiben sie das größte einzelne Antriebssegment innerhalb der alternativen Antriebe. Reine Benziner erreichten noch einen Marktanteil von 21,9 Prozent und verloren gegenüber dem Vorjahr 18,2 Prozent. Diesel kamen auf 13,0 Prozent und gaben um 8,6 Prozent nach.
Deutsche Hersteller profitieren weniger
Doch von der steigenden Nachfrage nach Elektroautos profitieren deutsche Hersteller immer weniger. Nach einer Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY schrumpfte der gemeinsame Marktanteil deutscher Autokonzerne im Elektrosegment im zweiten Quartal dieses Jahres von 63,1 auf 53,9 Prozent. Seit Jahresbeginn ging er fast kontinuierlich zurück – von 61 Prozent im Januar auf 51 Prozent im Juni.
Chinesische Hersteller steigerten ihre Elektro-Neuzulassungen im zweiten Quartal um 64 Prozent und erhöhten ihren Marktanteil von 9,3 auf 9,9 Prozent. Die übrigen internationalen Hersteller – darunter vor allem Tesla – legten sogar um 101 Prozent zu und kamen auf einen Marktanteil von 36,2 Prozent.
„Die staatliche Kaufprämie für Elektroautos, deren Effekte seit Februar deutlich werden, wirkt aktuell als massiver Booster für den Absatz von E-Autos in Deutschland“, sagt Constantin Gall von EY. Der Marktanteil von Elektroautos ist binnen eines Jahres um zehn Prozentpunkte in die Höhe geschnellt. Nie zuvor wurden in einem Quartal in Deutschland so viele Elektroautos neu zugelassen. Gall bilanziert: „Die Förderung wirkt also: Die Prämie pusht den Hochlauf der Elektromobilität.“
Chinesische Hersteller bei günstigen E-Autos vorn
Unter den größten Herstellern verzeichnete Tesla mit einem Plus von 305 Prozent im zweiten Quartal das stärkste Wachstum. Dahinter folgten die Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi mit 187 Prozent sowie Mercedes-Benz mit 122 Prozent. BMW legte um 56 Prozent zu, der Volkswagen-Konzern um 12 Prozent. Mit rund 69.300 Elektro-Neuzulassungen blieb Volkswagen dennoch Marktführer vor BMW und Stellantis.
Als Ursache für das Wachstum vieler ausländischer Hersteller nennt Gall vor allem das Angebot günstiger Elektroautos: „Während deutsche Hersteller im Preissegment unterhalb von 25.000 Euro nicht vertreten sind, bieten etwa chinesische Anbieter genau dort inzwischen E-Autos mit sehr guten technischen Daten an.“ Gerade dieses Einstiegssegment sei für viele Käufer entscheidend, weil der staatliche Zuschuss dort häufig den Ausschlag für den Kauf gebe.
Gall zieht deshalb ein kritisches Fazit: „Wir finanzieren gerade mit Steuergeldern das Wachstum ausländischer E-Auto-Marken auf dem deutschen Absatzmarkt.“











