
Irreguläre Migration
Spaniens Migrationskurs – ein Modell für Deutschland?
Aktualisiert am 12.02.2026 – 05:00 UhrLesedauer: 3 Min.
Spanien bietet einmalig einer großen Zahl irregulärer Migranten ohne Vorstrafen eine Aufenthaltserlaubnis an, vorausgesetzt sie arbeiten. Wäre das in Deutschland auch möglich und wäre es sinnvoll?
Deutschland, die USA und viele andere westliche Staaten verfolgen im Umgang mit irregulärer Migration aktuell einen restriktiven Kurs. Die linksgerichtete Regierung von Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez geht einen anderen Weg: Sie hat angekündigt, den Status von rund 500.000 Zuwanderern zu legalisieren. Wäre das auch ein Modell für Deutschland?
Ein Regierungsbeschluss sieht vor: Alle Einwanderer, die nachweisen, dass sie sich am 31. Dezember 2025 seit fünf Monaten in Spanien aufgehalten und keine Straftaten begangen haben, können auf Antrag eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis mit Arbeitserlaubnis erhalten. Nach einem Jahr kann diese in eine reguläre Aufenthaltserlaubnis umgewandelt werden. Migrationspolitisch ist der Vorschlag liberal, mit Blick auf die Verwaltung ist es ein pragmatischer Ansatz.
Ja, insofern als dass es EU-Recht nicht widerspricht. Allerdings ginge es hierzulande nach Einschätzung des Bundesinnenministeriums nicht ohne eine Änderung des geltenden Aufenthaltsrechts.
Als Vorbild sieht sie es auf jeden Fall nicht. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagt, im deutschen Recht sei eine klare Trennung von Arbeitsmigration und Asylzuwanderung vorgesehen, um illegale Einreisen und aussichtslose Asylanträge mit dem Ziel der Arbeitsaufnahme in Deutschland zu verhindern und Fehlanreize zu vermeiden.
Ein nicht unwesentlicher Teil der Migranten, die sich in Spanien jetzt um einen legalen Aufenthaltstitel bemühen, ist allerdings nicht mit dem Schlepperboot oder auf anderen irregulären Wegen ins Land gekommen, sondern mit einem Touristenvisum aus Lateinamerika eingereist und nach Ablauf des Visums einfach geblieben.
Sie wenden ein, solche Legalisierungskampagnen, die es vor etlichen Jahren auch in Italien und einigen anderen europäischen Staaten gab, böten Anreize für irreguläre Migration. Ihre Argumentation: Zuwanderer könnten darauf setzen, eine gewisse Zeit ohne Aufenthaltserlaubnis im Land zu bleiben, um dann bei einer etwaigen nächsten Regulierungswelle eine Erlaubnis für einen längerfristigen Aufenthalt zu erhalten.
Der Vorsitzende des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR), Winfried Kluth, erklärt, dass vor allem Menschen mit geringer Qualifikation solche Kampagnen nutzten, um einen rechtmäßigen Aufenthaltstitel zu erhalten. Er gibt zu bedenken: „Allerdings ist auch zu beobachten, dass nicht wenige dieser Personen dann wieder in den illegalen Aufenthalt abtauchen, weil sie als legale Arbeitskräfte, die Steuern und Sozialabgaben zahlen müssen, nicht mehr attraktiv genug für die Arbeitgeber sind.“
Der SVR-Vorsitzende verweist auf das deutsche Chancen-Aufenthaltsrecht, das von der Ampel-Koalition für die Dauer von drei Jahren eingeführt worden war. Auch hier galt eine Stichtagsregelung. Einen entsprechenden Antrag konnten nur Geduldete stellen, die am 31. Oktober 2022 mindestens seit fünf Jahren ununterbrochen in Deutschland lebten.










