Hitzewelle
„Es kommt auf alle an“: Ärzte richten Appell an Bevölkerung
25.06.2026 – 12:26 UhrLesedauer: 2 Min.
Die derzeitige Hitzewelle ist besonders für ältere und pflegebedürftige Menschen eine große Gefahr. Gesundheitsverbände rufen nun dazu auf, die Betroffenen gezielt zu unterstützen.
„Großflächige Hitzewellen bedrohen die Gesundheit sehr vieler Menschen und zählen zu den tödlichsten Extremwetterereignissen überhaupt“, warnen derzeit Ärzte und Gesundheitsverbände. Anlass ist die derzeitige Hitzewelle, die große Teile Europas im Griff hat.
In Frankreich werden Höchsttemperaturen von bis zu 45 Grad erwartet. Auch in Deutschland steigen die Temperaturen verbreitet auf 30 bis 38 Grad, örtlich sind bis zu 40 Grad nicht mehr ausgeschlossen. In den Nächten fallen die Temperaturen vielerorts nicht mehr unter 20 Grad.
Die aktuelle Lage sei gerade deshalb so riskant, weil die hohen Temperaturen anhalten und weil sich Gebäude und Wohnungen immer weiter aufheizen und nachts kaum noch abkühlen, warnt ein Bündnis aus Bundesärztekammer und zahlreichen Gesundheitsverbänden. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Kranke, pflegebedürftige und allein lebende Personen, Schwangere, kleine Kinder sowie Menschen, die im Freien arbeiten.
Appell an die Bevölkerung
Um diese Personengruppen besser zu schützen, richten die Verbände einen Appell an die Bevölkerung: „Jede und jeder Einzelne kann dazu beitragen, die Zunahme hitzebedingter Erkrankungen und Todesfälle zu verringern.“ Konkret bitten die Verbände:
- Gezielt nach Alleinstehenden schauen: Während der großen Hitzewelle in Frankreich 2003 starben rund 15.000 überwiegend allein lebende ältere Menschen. Mit einem täglichen Anruf oder einem kurzen Besuch bei allein lebenden Nachbarn, Freunden und Bekannten können Leben gerettet werden, so die Verbände.
- Hilfe im Umfeld organisieren: Um Hilfsbedürftige im Alltag, beispielsweise beim Einkauf, zu unterstützen, können Hilfsnetzwerke in Familie, Bekanntenkreis und Nachbarschaft organisiert werden.
- Schutz vor Hitze und UV-Strahlung: Kühlen Sie sich bei Bedarf aktiv und unterstützen Sie auch gefährdete Personen dabei.
Gerade für ältere Menschen ist die größte Gefahr die Austrocknung, die sich schleichend entwickelt und deshalb häufig zu spät bemerkt wird. Hinweise können Schwindel, Verwirrtheit und Schwäche, aber auch eine dunkle Urinfarbe und geringe Ausscheidungen sein. Wer kann, sollte zudem auf Blutdruck, Körpertemperatur und Körpergewicht achten.
Gefahren für chronisch Kranke
Auch chronisch Kranke können von der Hitze besonders stark betroffen sein, da manche Medikamente bei Hitze belastend wirken – sie beeinflussen etwa den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt oder den Kreislauf. Dazu gehören unter anderem Blutdruckmedikamente oder Antidiabetika. Dennoch sollte die Medikation nicht ohne Weiteres geändert werden. „Setzen Sie Medikamente niemals eigenmächtig ab, sondern lassen Sie Ihren Medikationsplan in der Praxis überprüfen“, rät Beate Müller, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin der Uniklinik Köln. Zudem sollten temperaturempfindliche Medikamente kühl gelagert werden.
„Der Hitzedom über Europa ist keine abstrakte Gefahr mehr – er kostet bereits Menschenleben“, warnt Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer. „Jetzt kommt es auf uns alle an: Achten Sie auf sich und auf Ihre Mitmenschen, und scheuen Sie sich nicht, gefährdete und ältere Menschen aktiv anzusprechen. Hitzeschutz ist in diesen Tagen unmittelbarer Patientenschutz.“











