„Die Pathologie ist unbestechlich“

Kommt jetzt der Pfusch der Wal-Retter ans Licht?


21.05.2026 – 09:02 UhrLesedauer: 4 Min.

Der Kadaver des Timmy genannten Wals liegt vor der dänischen Insel Anholt: In puncto Todesursache sind laut Walexperte Fabian Ritter von der Obduktion keine Überraschungen zu erwarten. (Quelle: Marcus Golejewski/dpa)

Dänemark will den toten Buckelwal wohl obduzieren. Die Untersuchung ist mit enormen Anstrengungen verbunden – kann aber wichtige Antworten liefern. Sogar Geräte aus dem Walfangs kommen zum Einsatz.

Seit dem Wochenende gibt es Gewissheit: Der mehrfach in der Ostsee gestrandete Buckelwal wurde tot vor der dänischen Insel Anholt angespült – die vermeintliche Rettungsaktion der privaten Initiative um den Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und die Pferdemillionärin Karin Walter-Mommert ist gescheitert.

Am Dienstag hat die dänische Regierung angekündigt, dass der Walkadaver vom Strand geborgen und bei einer Obduktion von Experten untersucht werden soll. Wie die Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums, Almut Neumeister, t-online erklärte, ist die Obduktion von Großwalen nicht unüblich – auch am Meeresmuseum seien bereits Finn- und Buckelwale seziert worden.

  • Drama in fünf Akten: Die Legende von Marc Lehmann zerschellt an Wal Timmy
  • Wal entlarvt seine Retter: Ein Glück, dass der tote Timmy im Sand liegt

Bei einer Wal-Obduktion handele es sich um ein riesiges Unterfangen. Für die Obduktion von Tieren dieser Größe komme üblicherweise ein Team von 20 bis 30 Personen zum Einsatz, so Neumeister.

Obduktion von Wal ist eine „körperliche Höchstleistung“

Die Wildtiermedizinerin Kerstin Alexandra Dörnath erklärte t-online, dass die Obduktion des Wals vermutlich im Freien stattfinden werde. Sie sagte: „Es gibt kaum geschlossene Institute, die eine Sektionshalle für ein ausgewachsenes Großwal-Exemplar besitzen.“ Meist würde für Wal-Obduktionen ein Strandabschnitt, ein Hafenbecken oder ein Werftgelände abgesperrt.

Einen Buckelwal zu untersuchen, sei eine „körperliche Höchstleistung.“ Der vor Dänemark angespülte Buckelwal soll etwa 12 Meter lang sein und schätzungsweise etwa 12 Tonnen schwer. In der Vergangenheit war Dörnath eigener Auskunft zufolge bereits Teil eines Teams, das einen Pottwal drei Tage lang zerlegt hat: „Auch körperlich ist das eine starke Herausforderung.“

Eine Wal-Obduktion an der englischen Küste (Archivbild): Die Untersuchung eines toten Wals folgt einer festen Reihenfolge. (Quelle: Rights Managed via www.imago-images.de/imago)

Für die Obduktion eines Tieres dieser Größe sei auch entsprechendes Gerät notwendig – etwa Kranwagen, Bagger oder Radlader. Das Obduktionswerkzeug müsse sich ebenfalls der Größe des Tieres anpassen: „Das medizinische Besteck besteht hier nicht aus kleinen Skalpellen, sondern aus modifizierten, extrem scharfen Sektionsmessern – oft an langen Stielen.“

Wie Dörnath erläuterte, komme üblicherweise auch ein Wal-Spatel zum Einsatz – also ein historisches Gerät, das früher beim Walfang benutzt wurde. „Es sieht aus wie ein extrem langes, breites Messer oder eben ein flacher Spatel an einem langen Stiel. Damit schneiden die Wissenschaftler bei der Obduktion durch die zentimeterdicke Blubberschicht und trennen das Fleisch präzise vom Knochen.“ Um die Fettschicht und die Knochen des Wals zu zerteilen, kämen zudem motorisierte Sägen zum Einsatz.

Share.
Die mobile Version verlassen