„Er denkt, über ihm ist nur noch Gott“

Kann die Uefa Infantino zum Sturz bringen?

13.07.2026 – 14:05 UhrLesedauer: 2 Min.

Höchst umstritten: Gianni Infantino ist seit 2016 Präsident der Fifa. (Quelle: IMAGO/Visionhaus/imago)

An Gianni Infantino gibt es gerade in Europa viel Kritik. Dass aber kaum ein Verband etwas unternimmt, moniert ein Schweizer Strafrechtsexperte. Dabei hätte die Uefa die Macht dazu, meint er.

Die Kritik an Fifa-Präsident Gianni Infantino reißt nicht ab. Nun hat der Schweizer Strafrechtsexperte Mark Pieth die Mitgliedsverbände – insbesondere in Europa – dazu aufgerufen, sich gegen den Fifa-Chef zu stellen und Möglichkeiten aufgezeigt, ihn aus dem Amt zu drängen.

Im Gespräch mit dem „Tagesspiegel“ sagte der frühere Vorsitzende der Fifa-Kommission für Governance: „Die Fifa ist ein institutioneller Verein; jedes Vereinsmitglied kann wählen, absetzen oder sogar jemanden vor Gericht zitieren. Diese Möglichkeit hat jedes Fifa-Mitglied.“

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Dass es bislang keine entsprechenden Bestrebungen gebe, führt der 73-Jährige auf das System Infantino zurück. Die Ethikkommission existiere seiner Ansicht nach nur formal. Pieth sagte: „Unabhängigkeit gibt es nicht in der Fifa – und dementsprechend auch keine Kontrolle.“ Zudem erklärte er in Bezug auf Infantino: „Im Grunde hat er das System Blatter perfektioniert: mehr noch als Blatter geht es Infantino um Macht und um Geld.“

Pieth: „Diese Macht sollten die Verbände einsetzen“

Nach Ansicht Pieths greife niemand den 56 Jahre alten Schweizer an, weil dieser als „unantastbar“ gelte. Pieth sagte: „Er denkt, über ihm ist nur noch Gott. Und in seinem Verband ist das auch so.“ Zwischen 2011 und 2013 leitete Pieth die unabhängige Kommission für Governance, die die FIFA demokratisieren sollte. Joseph Blatter war von 1998 bis 2016 Präsident des Fußball-Weltverbandes.

Eine wichtige Rolle im möglichen Widerstand gegen Infantino sieht Pieth bei der Uefa. Der Fifa-Präsident hatte sich während der laufenden WM in Nordamerika unter anderem dem Vorwurf ausgesetzt gesehen, dass US-Präsident Donald Trump Einfluss auf ihn genommen habe.

Früher Teil der Fifa, heute großer Kritiker des Weltverbandes: Der Schweizer Mark Pieth. (Quelle: IMAGO/CEET. Autor:/imago)

Pieth sagte: „Die Uefa könnte sagen: Wir machen das alleine, wir gehen raus aus der Fifa und organisieren eine riesige Fußball-EM. Klar, viele Länder würden fehlen, aber diese WM zeigt: Europa ist der mächtigste Kontinent im Fußball. Ohne Europa geht im Grunde nichts, diese Macht sollten die Verbände einsetzen.“

Zugleich sieht Pieth weitere Möglichkeiten für den europäischen Kontinentalverband. „Dabei könnte die Uefa die Fifa auch kartellrechtlich hart angehen. Aber offenbar gab es bislang nicht die Bestrebungen im europäischen Fußball, sich zusammenzutun und gegen Infantino etwas zu unternehmen.“

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