
Nachruf auf Rita Süssmuth
Sie war stets die Frau, die sie sein wollte
01.02.2026 – 17:55 UhrLesedauer: 3 Min.

Als Ministerin war sie eine Außenseiterin in der Männerwelt Helmut Kohls. Aber sie verschaffte sich Respekt und wurde zu einem Vorbild für Frauen ihrer Generation, weil sie auch unter schwierigen Bedingungen ihren Platz behauptete.
Rita Süssmuth war eine ordentliche Professorin und wirkte auch so. Sie hätte es gut und gern bis zur Pensionierung bleiben können. Es trieb sie aber in die Politik, obwohl ihr einiges daran fehlte, was damals in den 1980er Jahren in der CDU gang und gäbe war. Vor allem war diese Partei ein Männerclub, den Helmut Kohl um sich versammelt hatte. In dieser Machtbastion dienten Frauen als Beiwerk, als Alibi. Ihnen blieb das Ministerium für Jugend, Familie und Gesundheit vorbehalten. Gerhard Schröder nannte so etwas Gedöns. Ja, so haben sie gedacht.
Rita Süssmuth war für Machtpolitik nicht geschaffen. Sie war eine Moralistin, sie erhob Einwände, verteidigte Gedemütigte und kümmerte sich um Aussortierte. Sie war oft anderer Meinung und wurde dann so lange von den Abgesandten des Kanzlers bearbeitet, bis sie umgestimmt war. Ihr Platz war in der inneren Opposition der CDU, in der es ausgesprochen ungemütlich zuging.
Es war nicht einfach für Frauen ihrer Generation in der Macho-Welt der deutschen Politik. Aber für Frauen ihrer Generation war Rita Süssmuth ein Vorbild. Sie versöhnte sie mit der CDU, weil sie deren liberales Gewissen verkörperte.
Unerschrocken blieb sie, wenn es um Ethisches ging. Sie wandte sich gegen die Aufhebung des kassenärztlichen Schutzes bei der Abtreibung. Auch gehörte sie zu den Pionierinnen, als es um Aufklärung, Beratung und Behandlung von Aids ging. Andere in der Union hätten eine Politik der Ausgrenzung bevorzugt. Es war wichtig, dass sie diesmal ihre liberale Einstellung gegen Widerstand in der eigenen Partei durchsetzen konnte. „Dass mir das gelungen ist, das war der Durchbruch in meinem Leben,“ sagte sie in einem Taz-Interview. „Dafür habe ich viel Mut gebraucht.“ Sie gründete eine nationale Aids-Stiftung und blieb deren Ehrenvorsitzende.
Rita Süssmuth wurde geformt und geprägt in der Ära Kohl. Sie litt unter dem Kanzler, musste sich demütigen lassen und entzog sich dem Dauerdruck, indem sie sich im Jahr 1988 zur Bundestagspräsidentin wählen ließ. In dieser Position schien sie mit sich ins Reine gekommen zu sein, denn allzu oft muss sie an der Richtigkeit ihres Entschlusses gezweifelt haben, in die Politik zu gehen.










