
Eine Bundeskanzlerin Alice Weidel wäre „ermutigend“ für die Sache der Frauen. Das sagt Deutschlands bekannteste Feministin. Alice Schwarzer beweist damit nur, wie biologistisch ihr Verständnis von Feminismus ist.
Sie liebt die Provokation. Daraus hat Alice Schwarzer nie ein Geheimnis gemacht. Mit provokanten Aussagen anzuecken, war immer schon ein Leitmotiv von Deutschlands bekanntester Feministin. Musste es wohl auch sein. Denn wie hätte sie anders in der von Männern dominierten Nachkriegswelt zu einer lauten, relevanten Stimme werden können? Zur Provokation gehört oft Mut. Aber eben nicht zu jeder. Manche sind einfach dumm, andere schädlich.
Letzteren Kategorien lässt sich Schwarzers jüngste Äußerung zu ihrer Namensvetterin Alice Weidel zuordnen. In einem Video-Interview mit dem „Spiegel“ danach gefragt, ob eine Bundeskanzlerin Alice Weidel gut für die Sache der Frauen wäre, antwortete sie – zugegeben nach einigem Zögern –, „das hätte vermutlich auch den Effekt, ermutigend für Frauen zu sein“.
Nichts anderes als ein oberflächliches, biologistisches Verständnis von Feminismus vermittelt Schwarzer mit dieser Aussage. Die bloße Tatsache, dass eine Frau in eine Machtposition kommt, reicht ihr offenbar schon, um die Sache der Frauen voranzubringen. Das ist rückwärtsgewandt, der Feminismus ist längst weiter.
Es gab eine Zeit, da war es für Frauen „ermutigend“, dass eine Indira Gandhi oder eine Maggie Thatcher als Premierministerinnen gewählt wurden. Unvorstellbar war es zuvor für die Mehrheit der Menschen in Indien und Großbritannien, von einer Frau regiert zu werden. Und auch für den Rest der Welt. Die erste Frau an der Spitze eines Landes hat Signalwirkung für alle Frauen. Sie zeigt: Es gibt nichts, was sie nicht auch könnten. Doch was darüber hinaus haben die beiden für die Sache der Frauen getan? Wenig bis nichts.
Gandhi und Thatcher einte, dass sie härter und drakonischer regierten als ihre männlichen Vorgänger. Frauenrechte waren ihnen im Grunde egal, wenn nicht gar explizit verdächtig. Und auch Angela Merkel wollte nie als Feministin wahrgenommen werden. In gewisser Weise ist das sogar verständlich. Sie wollte sich nie dem Verdacht aussetzen, „weibliche“ Entscheidungen getroffen zu haben.
Tatsächlich ist wahre Gleichstellung erst erreicht, wenn das Geschlecht eines Regierenden keine Rolle bei seinen oder ihren Entscheidungen mehr spielt. Ebenso wenig bei seiner oder ihrer Beurteilung.
Doch genau darum ist Schwarzers Aussage zu Alice Weidel auch so verräterisch: Weidels Frausein reicht für Schwarzer schon, um die Sache der Frauen voranzubringen. Für welche Politik sie steht, für welches Frauenbild die Partei, der sie vorsteht, spielt keine Rolle.
Ausgerechnet Schwarzer, die immer für das bedingungslose Recht der Frau auf Abtreibung eingetreten ist, ist es dann offenbar egal, dass Abtreibungen für Weidels Partei die absolute Ausnahme bleiben sollen. Oder dass sich die Familienpolitik der AfD an einer traditionellen Familie aus „Vater, Mutter und Kinder“ orientiert, in der vor allem der Mutter die zentrale Rolle für die Kinderbetreuung zukommt. Auch die Ehe für alle ist für die AfD immer noch ein Ärgernis. Bereits 2018 stellte die AfD einen Antrag, diese wieder abzuschaffen. Schwarzer, wohlgemerkt, ist mit einer Frau verheiratet. Genauso wie Alice Weidel.











