Sachsen-Anhalt
Sichtbar werden mit Fleiß – Schulzes Kampf gegen die AfD
Aktualisiert am 06.05.2026 – 04:05 UhrLesedauer: 4 Min.
100 Tage ist Sven Schulze CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt – ein wenig mehr sind es noch bis zur Wahl. Engagiert versucht er, das Amt gegen die starke AfD zu verteidigen. Gelingt ihm das?
Gefrühstückt hat Sven Schulze aus der grünen Brotdose. Eine von drei solchen Boxen verlässt morgens mit dem Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts das Haus, zwei weitere mit seinen Kindern. Der Tag des 46-Jährigen beginnt gegen 5.30 Uhr, oft kehrt er erst spät zurück. Dazwischen tut der CDU-Politiker alles dafür, ein möglichst sichtbarer Regierungschef zu sein. Die Sachsen-Anhalter sollen sehen, dass er sich für sie einsetzt – in Magdeburg, aber auch in Berlin und Brüssel.
Seit 100 Tagen ist Schulze nun im Amt. Sein großes Ziel: Die Menschen sollen ihn am 6. September wiederwählen – und ihr Kreuz nicht bei der AfD setzen. Die führt mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund in Umfragen deutlich und mobilisiert Tausende zu Bürgerdialogen und Festen im ganzen Land.
Schulze oder die erste Alleinregierung der AfD in Deutschland – das ist das Szenario, was viele Medien entwerfen. Doch auch der CDU-Politiker forciert dieses Duell. „Ganz Deutschland wird am 6. September auf Sachsen-Anhalt gucken. Aber wenn der 6. September vorbei ist, wird Deutschland nicht auf Sachsen-Anhalt warten“, sagt Schulze. „Ich möchte nicht, dass wir hier ein Experimentierfeld werden, ich möchte nicht, dass dieses Land isoliert wird. Sachsen-Anhalt darf innerhalb Deutschlands keine abgeschottete Insel sein.“
In den ersten Monaten als Regierungschef hat Schulze in der Wirtschaftspolitik Erfolge verbucht. Für das insolvente Chemiewerk von Domo in Leuna wurde eine Lösung organisiert, zudem wurden Millioneninvestitionen in den Agro-Chemie Park Piesteritz in Lutherstadt Wittenberg an Land gezogen. Krisenmanager und Strippenzieher – so sieht sich der CDU-Politiker gerne. Doch das allein wird wohl nicht reichen, um die Wähler zu überzeugen.
Sein Kontrahent Siegmund, der schon vor einem Jahr zum Spitzenkandidaten gekürt wurde, hat einmal über Schulze gesagt, dieser fände im Volk kaum statt. „Offenbar ist er dort relativ unbekannt“, so der AfD-Politiker, dessen Konterfei sich inzwischen schon auf T-Shirts findet. Schulze selbst lässt dagegen keine Gelegenheit aus, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen – bei Unternehmens- und Schulbesuchen, bei Jägern, Landfrauen und Ehrenamtlichen. Das Ziel: bekannter werden.
Aber Schulze betont auch immer wieder, dass er im Gegensatz zu AfD-Spitzenkandidat Siegmund seine Arbeit machen muss und will. „Ich kann es mir als Ministerpräsident nicht zur Aufgabe machen, wie ich permanent nur positiv in der Öffentlichkeit dastehe – ich habe meine Aufgabe als Ministerpräsident zu erfüllen. Dazu gehören alle Themen, nicht nur positive“, sagt Schulze.












