Studie stellt verbreitete Annahme infrage

Bewegung senkt das Demenzrisiko? Nur unter dieser Bedingung


19.08.2026 – 13:23 UhrLesedauer: 4 Min.

Der Berufsalltag eines Handwerkers ist in vielen Fällen mit harter körperlicher Arbeit verbunden. Für die Gesundheit hat das nicht nur Vorteile. (Quelle: ljubaphoto/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Körperlich aktiv zu sein ist gut fürs Gehirn – so die Faustregel. Eine Auswertung vieler Studien zeigt aber: Für das Demenzrisiko ist entscheidend, warum wir uns bewegen.

Bewegung gilt als einer der wichtigsten Schutzfaktoren vor Demenz. Zahlreiche Studien belegen, dass aktive Menschen länger geistig fit bleiben. Wer sein Demenzrisiko senken möchte, erhält daher den Rat, sich regelmäßig körperlich zu betätigen. Eine neue Untersuchung, erschienen im Fachjournal „The Lancet Public Health“, weckt nun Zweifel an dieser einfachen Empfehlung.

Die Forscher gingen der Frage nach, ob es für das Gehirn einen Unterschied macht, was genau der Anlass für die Aktivität ist: Sport? Beruf? Haushalt? Oder der Arbeitsweg? Und tatsächlich: Der lange übersehene Faktor „Kontext“ scheint im Hinblick auf das Demenzrisiko überraschend bedeutsam zu sein.

Daten von mehr als 4,2 Millionen Menschen analysiert

Das Team bündelte die Ergebnisse von 74 veröffentlichten Studien aus 30 Ländern. Eine solche Zusammenfassung vieler Untersuchungen nennt man Meta-Analyse. Ihr Vorteil: Statt sich auf eine einzelne Studie zu verlassen, können Wissenschaftler Daten aus vielen Untersuchungen auswerten und prüfen, ob sich über unterschiedliche Länder und Bevölkerungsgruppen hinweg ein ähnliches Muster zeigt.

Insgesamt nahmen an den ausgewerteten Studien 4.227.297 Menschen teil. Diese waren zu Beginn im Median 67,3 Jahre alt. Median bedeutet: Die Hälfte der Teilnehmer war jünger als 67,3 Jahre, die andere Hälfte älter. Der Median wird hier verwendet, weil einzelne sehr junge oder sehr alte Teilnehmer den Wert weniger stark verzerren als bei einem einfachen Durchschnitt.

Auch die Dauer der Beobachtung unterschied sich von Studie zu Studie. Im Median wurden die Teilnehmer zehn Jahre lang begleitet. Das heißt: In der Hälfte der Untersuchungen war die Beobachtungszeit kürzer, in der anderen Hälfte länger.

Während dieser Jahre erfassten die Forscher, wie körperlich aktiv die Menschen waren und ob bei ihnen später eine Demenz diagnostiziert wurde. Bei den Aktivitäten wurde unterschieden zwischen Bewegung in verschiedenen Kontexten: Freizeit, körperlicher Aktivität im Beruf, Hausarbeit und Bewegung auf dem Arbeitsweg.

Freizeitbewegung schneidet deutlich besser ab

Die Ergebnisse schienen die bekannte Botschaft zunächst zu bestätigen: Wer sich viel bewegt, hat seltener Demenz. Bei den besonders Aktiven lag das Risiko rund ein Fünftel niedriger.

Besonders deutlich wurde das beim Vergleich zwischen Freizeit und Beruf:

  • Wer sich etwa beim Spazierengehen, Radfahren, Joggen, Schwimmen oder Sport ertüchtigte, hatte ein um 24 Prozent niedrigeres Demenzrisiko als Menschen mit wenig Freizeitbewegung.
  • Für körperliche Anstrengung im Beruf ergab sich ein ganz anderes Bild: Personen, die körperlich hart arbeiteten, hatten ein um 20 Prozent höheres Risiko für Demenz als Menschen mit wenig körperlicher Belastung im Beruf.

Der Epidemiologe und Bewegungsforscher Natan Feter, der die Studie leitete, kommentiert in einer Pressemitteilung: „Die Ergebnisse stellen die seit Langem verbreitete Annahme infrage, dass für die Gesundheit des Gehirns jede Bewegung zählt.“

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