Musialas Zusammenbruch

Was passiert bei einer Absence im Körper


Aktualisiert am 19.08.2026 – 11:08 UhrLesedauer: 3 Min.

Jamal Musiala (Mitte) hat derzeit mit Absencen zu tun, eine Form epileptischer Anfälle. (Quelle: IMAGO/Bernd Feil/M.i.S./imago)

Binnen weniger Tage geht Jamal Musiala zweimal benommen zu Boden. Als Grund nennt der Nationalspieler ein wenig bekanntes medizinisches Phänomen: Absencen.

Zwei Schreckmomente innerhalb von nur drei Tagen: Vor laufenden Kameras geht Jamal Musiala plötzlich zu Boden. Später erklärt er selbst, was hinter seinen Blackouts steckt – und nennt dabei einen medizinischen Begriff, der vielen Menschen kaum geläufig sein dürfte: Absencen.

Das aus dem Französischen übernommene Wort Absence lässt sich mit „Abwesenheit“ übersetzen. Genau diesen Zustand erlebte der 23-jährige Nationalspieler offenbar, als er auf dem Platz für kurze Zeit weggetreten wirkte. In den Spielen gegen RB Leipzig und den 1. FC Heidenheim hatte der Profi des FC Bayern München jeweils für einige Sekunden einen Komplettaussetzer. Auf Instagram erklärte der Nationalspieler noch am Abend, dass bei ihm „temporär kurz auftretende, aber gut behandelbare Absencen festgestellt“ worden seien.

Absencen zählen zu den epileptischen Anfällen

Bei Absencen handelt es sich um eine Form epileptischer Anfälle. Laut der amerikanischen Epilepsy Foundation kommen sie besonders häufig bei Kindern zwischen 4 und 14 Jahren vor. Allerdings können auch Jugendliche und Erwachsene davon betroffen sein. Vor allem bei Kindern fallen kurze Absencen häufig gar nicht auf. Da sie normalerweise nur wenige Sekunden anhalten, verwechseln Außenstehende sie leicht mit Tagträumen oder mangelnder Aufmerksamkeit.

Bei einer typischen Absence sind Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit für kurze Zeit eingeschränkt. Betroffene nehmen ihre Umgebung vorübergehend kaum wahr und reagieren meist nicht auf Ansprache. Mitunter rollen dabei auch die Augen nach oben. Nach dem Ende der Absence können Betroffene in der Regel schnell mit dem weitermachen, was sie zuvor getan haben. Zurück bleibt meist nur eine kurze Erinnerungslücke.

Daneben gibt es sogenannte atypische Absencen, die länger dauern (20 Sekunden oder länger) und bei denen Beginn und Ende weniger abrupt sein können. Auch unkontrollierte Bewegungen können auftreten, etwa wiederholtes Blinzeln, Schmatz- oder Kaubewegungen und das Aneinanderreiben der Finger oder sonstige Handbewegungen.

Was passiert bei einer Absence im Gehirn?

Ursache einer Absence ist eine kurzzeitig ungewöhnliche elektrische Aktivität im Gehirn. Mediziner sprechen von einem generalisierten Anfall, weil er gleichzeitig in beiden Gehirnhälften beginnt.

Anders als ein Tagtraum beginnt eine Absence meist plötzlich und lässt sich nicht durch Ansprache oder Berührung unterbrechen. Sie kann zudem jederzeit auftreten – auch während körperlicher Aktivität. Nach dem Anfall sind Betroffene meist sofort wieder wach und können klar denken. Manche bemerken selbst überhaupt nicht, dass sie gerade einen Anfall hatten.

So wird eine Absence behandelt

Für die Diagnose spielt zunächst die genaue Beschreibung des Vorfalls eine wichtige Rolle. Ärzte können anschließend ein EEG, kurz für Elektroenzephalogramm, durchführen. Dabei messen sie die elektrische Aktivität des Gehirns und suchen nach Mustern, die für Absencen typisch sind.

Absencen lassen sich mit Medikamenten gegen epileptische Anfälle behandeln. Sie sollen weitere Anfälle verhindern. Bei vielen Kindern wirkt die Behandlung so gut, dass sie nur noch selten oder gar keine Absencen mehr haben. Bei etwa sieben von zehn Kindern verschwinden die Anfälle laut Epilepsy Foundation bis zum Alter von 18 Jahren. Wie sehr Erwachsene von einer Therapie profitieren ist individuell unterschiedlich. Auch ob Betroffene die Medikamente später absetzen können, hängt vom individuellen Verlauf ab. Manche benötigen sie langfristig. Auch eine Operation am Gehirn kann in therapieresistenten Fällen eine Option sein.

Share.
Die mobile Version verlassen