Wenn die Muskeln wehtun, können verschiedene Wirkstoffe die Beschwerden lindern. Bei der Anwendung von Schmerzmitteln gibt es jedoch einiges zu beachten.
Muskelschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Sie können akut nach einer intensiven Sporteinheit oder infolge einer ungewohnten handwerklichen Tätigkeit auftreten. Manche Menschen sind von chronischen Muskelschmerzen geplagt, etwa aufgrund andauernder Fehlhaltungen oder einer rheumatischen Erkrankung. Welche Schmerzmittel helfen können, verrät ein Orthopäde.
Muskelschmerzen, Myalgien genannt, treten akut nach einer Überlastung der Muskulatur auf. Oftmals werden die Muskeln beim Sport stark beansprucht oder wenn der Körper aus einem anderen Grund über eine längere Zeit hinweg ungewohnte Bewegungen ausführt. Muskelkater, Wadenkrämpfe bis hin zu Muskelverletzungen wie einer Muskelzerrung, einem Muskelfaserriss oder einem Muskelriss sind eine mögliche Folge der akuten Überanstrengung oder einer Verletzung.
Chronische Muskelschmerzen können durch Fehlhaltungen entstehen, etwa wenn man immer wieder lange Phasen unbewegt am Schreibtisch sitzt. Auch Bewegungsmangel nach der Arbeit tut den Muskeln nicht gut. Werden sie nicht regelmäßig gedehnt, können sie sich verkürzen und verspannen.
Bestimmte Erkrankungen und damit verbundene Entzündungsprozesse können ebenfalls zu anhaltenden oder wiederkehrenden Muskelschmerzen führen, unter anderem rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis. Auch die Fibromyalgie, beziehungsweise das Fibromyalgie-Syndrom, kurz FMS, ist ein Beispiel für eine Erkrankung, die Schmerzen in den Muskeln verursacht.
„Muskelschmerzen können jeden unserer über 650 Muskeln im Körper betreffen. Als chronisch gelten Muskelschmerzen, wenn sie länger als drei Monate anhalten oder in diesem Zeitraum an mehreren Tagen in der Woche bestehen“, erklärt der Orthopäde und Unfallchirurg Professor Bernd Kladny.
Professor Bernd Kladny ist Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie, m&i-Fachklinik Herzogenaurach und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (DGOU).
Wie der Muskelschmerz von den Betroffenen wahrgenommen wird, kann dabei ganz verschieden sein. Manche berichten von einem ziehenden Schmerz. Andere beschreiben ihn als krampfend oder pulsierend. Wann der Schmerz als belastend eingestuft wird, hängt von der individuellen Schmerzwahrnehmung ab.
Um den Schmerz zu lindern, können Schmerzmittel eingenommen werden. Oftmals angewendet werden Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika, kurz NSAR. Die Wirkstoffe wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend. Bei Muskelschmerzen kommen unter anderem Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen und Acetylsalicylsäure (ASS) zur Anwendung. Diese sind in niedrigen Dosierungen freiverkäuflich in der Apotheke erhältlich – nicht nur als Tabletten, sondern auch in Form von Salben und Gels zum Auftragen auf die Haut, etwa Diclofenac-Gel.
Ohne ärztliche Begleitung sollten Schmerztabletten nicht öfter als zehnmal im Monat und nicht länger als drei Tage hintereinander eingenommen werden. Gerade bei Herz- und Nierenerkrankungen ist Vorsicht geboten, da es deutliche medizinische Einschränkungen in der Anwendung gibt und sich die Anwendung bei manchen Erkrankungen auch verbietet. In Zweifelsfällen muss unbedingt eine kompetente Beratung erfolgen. Bestehen die Muskelschmerzen fort, sollte man sich ärztlich untersuchen lassen. Das gilt auch dann, wenn die Muskelschmerzen stärker werden oder wenn Begleitsymptome auftreten, etwa Kribbeln, Taubheitsgefühle oder hohes Fieber.
Ein weiteres Medikament gegen Muskelschmerzen ist Paracetamol. Es hat zwar keine entzündungshemmenden Eigenschaften, wirkt aber schmerzlindernd und fiebersenkend. Es kann eine mögliche Alternative für Menschen sein, die NSAR nicht einnehmen können. Paracetamol ist in der Apotheke rezeptfrei erhältlich.
Ein deutlich stärker wirkendes Schmerzmittel ist Metamizol. Es ist ebenfalls nicht entzündungshemmend, dafür aber schmerzlindernd. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen sollte man sich bei der Einnahme des verschreibungspflichtigen Medikaments an die Dosierempfehlung des Arztes halten und Hinweise für gravierende Nebenwirkungen sehr ernst nehmen.
Eine sehr seltene, aber gravierende Nebenwirkung ist eine Agranulozytose, eine erhebliche Störung des Blutbildes. Hierüber müssen Patienten aufgeklärt werden. Beim Auftreten von grippeähnlichen Symptomen oder Veränderungen der Mundschleimhaut unter der Medikation mit Metamizol sollte die Einnahme umgehend beendet und ein Arzt aufgesucht werden.
Ebenfalls beliebt sind wärmende Salben, welche die Durchblutung anregen, etwa mit dem Wirkstoff Capsaicin. Wohltuend bei Muskelschmerzen werden vielfach auch Salben mit ätherischen Ölen empfunden, etwa mit Pfefferminzöl, Kampfer oder Eukalyptus. Auch sie regen die Durchblutung an und wirken – unterstützt durch den Verdunstungseffekt – zugleich kühlend auf der Haut. Das kann die Entspannung der Muskulatur unterstützen.