„Solange wir keine allgemeine Wehrpflicht haben, gibt es auch ein keinen neuen Zivildienst“, erklärte die Sprecherin. „Sollte die allgemeine Wehrpflicht allerdings wieder eingesetzt werden, muss die Basis für einen modernen Zivildienst vorbereitet sein.“ Wie ein Wehrersatzdienst aussehen würde, daran werde gerade gearbeitet. Die Zahl der Zivis werde davon abhängen, „ob, wann und in welchem Umfang die Wehrpflicht nach § 2a Wehrpflichtgesetz angeordnet wird“.
Caritas dämpft Erwartungen
Obwohl eine Entscheidung aussteht, steigt bereits die Zahl der Anträge auf – vorsorgliche – Verweigerung. Im ersten Halbjahr gingen nach einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland 5.862 Anträge beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ein. Im gesamten Jahr 2025 waren es 3.867 Anträge, 2024 nur 2.998.
Trotzdem dürfte es nach Einschätzung des Caritas-Verbands im Fall der Fälle vergleichsweise wenige Zivis geben. Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa argumentierte, mit einer Bedarfs-Wehrpflicht würden nur so viele junge Männer eingezogen, wie die Bundeswehr benötige, und zwar auf Grundlage sachlicher Kriterien. Folglich würden wohl nur wenige junge Männer den Wehrdienst verweigern. „Wer den Eindruck erweckt, auf diesem Weg ließen sich die Personalprobleme sozialer Einrichtungen lösen, weckt völlig falsche Erwartungen“, meinte die Verbandspräsidentin.
Das Deutsche Rote Kreuz warb dafür, vorausschauend zu planen. „Wir wissen, was es braucht, damit junge Menschen sich sinnvoll für andere einsetzen können“, sagte DRK-Präsident Hermann Gröhe der „Rheinischen Post“. Doch brauche es dafür ausreichend Zeit und eine verlässliche Finanzierung. Ähnlich äußerte sich der frühere CDU-Politiker beim Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Bufdis füllten die Lücke
Vor der Aussetzung von Wehr- und Ersatzdienst 2011 hatten Sozialverbände große Bedenken geäußert, dass die Zivis an allen Ecken und Enden fehlen würden, unter anderem in der Pflege. Der Bundesfreiwilligendienst werde das nicht wettmachen können, hieß es damals.
Ulrich Schneider, damals Geschäftsführer des Paritätischen und einer der Kritiker, denkt inzwischen anders. Zwar habe die Aussetzung des Zivildienstes tatsächlich Lücken gelassen, sagte Schneider der dpa. Die jungen Männer hätten zum Beispiel in der Pflege die Zeit gehabt, die Fachkräften oft fehle. Doch habe der Bundesfreiwilligendienst das „doch zumindest zu einem großen Teil kompensiert“, sagte Schneider, heute Vorstandsmitglied der Linken. Dass dieser Dienst freiwillig und nicht Pflicht sei, habe große Vorteile. „Das hat zum großen Teil das System gestützt.“
Schneider wagt auch die These, dass es nicht zur Wiederbelebung von Wehrpflicht und Zivildienst kommen werde. Früher hätten viele die Wehrpflicht als gegeben hingenommen, jetzt werde sie aktiv hinterfragt. „Das kann man nicht mehr zurückdrehen, das ist ausgeschlossen.“











