„Maybrit Illner“ zum Iran
Röttgen: „Das ist die Rettung des Regimes durch Trump“
19.06.2026 – 02:11 UhrLesedauer: 4 Min.
Norbert Röttgen widerspricht dem Kanzler und sagt: Donald Trump hat den Krieg im Iran verloren. Die Terrorgefahr sei dadurch gestiegen, warnt er bei „Illner“.
Das Entsetzen über das Rahmenabkommen der USA mit dem Iran ist auch in der CDU groß. Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) das Vorgehen von US-Präsident Donald Trump insgesamt als Erfolg werten will, sprach sein Parteifreund Norbert Röttgen Klartext. „Das ist jetzt die Rettung des Regimes durch Donald Trump und damit habe ich nicht gerechnet“, sagte Röttgen am Donnerstagabend bei „Maybrit Illner“. „Das ist die strategische Niederlage der Vereinigten Staaten von Amerika auf der gesamten Linie“, fügte er hinzu.
Die Gäste
- Norbert Röttgen (CDU), Außenpolitiker
- Nicole Deitelhoff, Konfliktforscherin
- Guido Steinberg, Islamwissenschaftler
- Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios in Washington
- Minu Barati, deutsch-iranische Filmproduzentin
Dass Merz Trump attestiert hatte, den Terrorismus in der Region deutlich geschwächt zu haben, stieß bei Röttgen ebenfalls auf Kritik. Das sei „bedauerlicherweise keine berechtigte Einschätzung“, sagte das stellvertretende Mitglied des Auswärtigen Ausschusses. Vielmehr sei nun die Gefahr für künftigen Terror durch die Islamische Republik wieder gestiegen.
Röttgen kritisiert Merz beim Iran
Röttgen erkannte an, dass Merz und andere G7-Staatschefs sich mit ihrer lobenden Rhetorik bei Trump um Schadensbegrenzung bemüht hätten. „Das rechtfertigt nicht alles, was gesagt worden ist“, tadelte er jedoch. Röttgen attestierte Trump, nicht nur jedes seiner Kriegsziele verfehlt zu haben, sondern bei manchen Punkten schlechter dazustehen als vor dem Krieg: „Sie haben nichts erreicht.“ Er ging bei „Illner“ davon aus, dass Trump sich auch in den anstehenden Verhandlungen mit dem Regime nicht durchsetzen können wird. Denn der US-Präsident habe öffentlich eingeräumt, nicht kampffähig zu sein.
ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen, aus Luzern zugeschaltet, hatte zu Beginn der Sendung berichtet, dass in Teilen der Republikanischen Partei von einer Kapitulation ihres Landes gesprochen wird. Röttgen schloss sich dieser Einschätzung an. Der Islamwissenschaftler Guido Steinberg tat das zwar nicht. Dennoch fiel sein Urteil ähnlich vernichtend aus. Die Ära der US-Vorherrschaft am Persischen Golf sei vorbei. Die Folge: „Wir sind jetzt allesamt erpressbar.“ Denn der Iran könne die Straße von Hormus jederzeit wieder dicht machen.
Steinberg begrüßte es zwar, dass die für den Welthandel so bedeutsame Meerenge jetzt wieder geöffnet werden soll. „Das ist tatsächlich eine Überlebensfrage für viele Menschen in Asien“, sagte der Nahostexperte von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Zugleich aber könne das Regime nun wieder Öl exportieren und damit seine Machtbasis sichern. Er sprach von einem „ganz großen Sieg“ für die Islamische Republik und einer Niederlage für die USA. Letztere werde von Vizepräsident JD Vance mit einer „Mischung von Lügen, Halbwahrheiten und Unverschämtheiten“ der US-Öffentlichkeit verkauft.











