
Hohe Ausgaben
Der Staat lebt über seine Verhältnisse
04.02.2026 – 11:46 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Bundesregierung gibt mehr Geld aus, als sie einnimmt. Treiber sind vor allem Sozial- und Zinskosten. Trotzdem bleibt Deutschland in zentralen Zukunftsbereichen hinter dem EU-Durchschnitt zurück.
Die Ausgaben des Bundes sind zwischen 2014 und 2024 deutlich stärker gewachsen als die Einnahmen. Das zeigt ein Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), das die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) in Auftrag gegeben hatte und das der „Süddeutschen Zeitung“ vorab vorliegt. Demnach legten die Bundesausgaben in diesem Zeitraum nominal um fast 70 Prozent zu, während die Steuereinnahmen nur um rund 40 Prozent stiegen.
Der starke Ausgabenanstieg lässt sich laut Studie nicht in erster Linie mit der Inflation, der Corona-Pandemie, dem Ukraine-Krieg oder staatlichen Investitionsoffensiven erklären. Ausschlaggebend seien vielmehr deutlich höhere Sozial- und Zinsausgaben. Besonders stark wuchsen die Ausgaben für soziale Sicherung insgesamt. Musste der Bund Anfang der 1990er-Jahre rund 35 Prozent seines Haushalts für soziale Leistungen aufwenden, sind es heute nahezu 50 Prozent.
Mit Abstand größter Einzelposten bleibt der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung. Dieser stieg zwischen 2014 und 2024 von rund 83 Milliarden Euro auf 116 Milliarden Euro. Damit hat sich sein Anteil am Gesamthaushalt jedoch nicht erhöht, sondern ist laut IW sogar von rund 28 auf 25 Prozent gesunken. Deutlich zugelegt haben dagegen andere Sozialausgaben wie das Bürgergeld, Leistungen der Familienpolitik sowie die Grundsicherung im Alter.
Bezieht man das Jahr 2025 mit ein, summieren sich die jährlichen Bundesausgaben inzwischen auf etwa 500 Milliarden Euro. Zwar sei ein Ausgabenanstieg im Gleichschritt mit der Inflation notwendig, um staatliche Leistungen real zu sichern, heißt es in der Studie. Die Teuerungsrate lag im betrachteten Zeitraum jedoch bei rund 37 Prozent. Der nominale Ausgabenanstieg fiel damit nahezu doppelt so hoch aus wie der Preisanstieg.
Trotz der kräftig wachsenden Ausgaben bleibt Deutschland laut IW in wichtigen Zukunftsbereichen hinter dem EU-Durchschnitt zurück. Das gilt unter anderem für Investitionen in Infrastruktur, Verteidigung und Umweltschutz. Besonders groß ist der Rückstand im Bildungsbereich. Bund, Länder und Kommunen gaben hier zuletzt zusammen rund 4,5 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. In den nordischen Ländern lag der Anteil bei 6,2 Prozent, in den Benelux-Staaten bei 5,5 Prozent. Auch Österreich und die Schweiz investierten mit jeweils rund 5,3 Prozent mehr in Bildung als Deutschland.









