Geschlagen und bedroht
Queerer Musiker bei Grindr-Date in eigener Wohnung überfallen
Aktualisiert am 26.05.2026 – 06:40 UhrLesedauer: 2 Min.
Der queere Musiker Leopold wollte ein Date, statt eines Mannes kamen zwei, dann drei. Was in seiner Berliner Wohnung folgte, dauerte Stunden.
Er hatte über die schwule Dating-App Grindr eine Verabredung – und erlebte stattdessen stundenlange Gewalt in seiner eigenen Wohnung: Der Berliner Musiker Leopold, 32, hat auf Instagram zwei Videos veröffentlicht, in denen er den Vorfall schildert. Er wolle damit andere warnen und öffentlich machen, was ihm passiert sei – „damit ich mich nicht dafür schämen muss“.
An einem Dienstagmorgen hatte Leopold demnach über Grindr Kontakt zu einem Profil aufgenommen. Verabredet war eine Person – es kamen zwei. „Dann hat eine der beiden Personen mir mein Handy abgenommen und ich wollte das Handy dann auch wieder zurückholen. Daraufhin hat die andere Person einfach auf mich eingeschlagen, ich weiß nicht wie oft, es war zwei-, dreimal auf meinen Kopf“, schildert er.
Männer versuchen, Leopold zu zwingen, Kokain zu schnupfen
Die Männer hätten sich Zutritt zur Wohnung verschafft, ihn zur Herausgabe seines Geldbeutels gezwungen und versucht, auf verschiedenen Wegen Geld von seinem Konto abzubuchen – ohne Erfolg. Zwischenzeitlich sei ein dritter Mann hinzugekommen. Leopold wurde nach eigenen Angaben festgehalten, bedroht und beleidigt. Die Täter hätten Videos von ihm gemacht und sich über ihn lustig gemacht. Einer von ihnen habe versucht, ihn zur Einnahme von Kokain zu zwingen – was Leopold abwenden konnte.
Wir benötigen Ihre Einwilligung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Instagram-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Instagram-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.
Ein Detail, das er erst im Nachhinein einordnete: Er habe einem der Täter – jenem, der ihn geschlagen habe – auf dessen Verlangen einen Kaffee kochen. Den habe der Mann dann verweigert. „Ich habe das jetzt im Nachhinein erst so realisiert, dass er nicht draus trinken wollte, weil ich das angefasst habe, weil ich queer bin und weil das ekelhaft ist.“
Übergriffe bei Dates über Apps nehemn zu
Nach mehreren Stunden verließen die Täter die Wohnung. Leopold rief die Polizei und erstattete Anzeige. Die Berliner Polizei bestätigte den Vorgang gegenüber dem „Tagesspiegel“. In einem zweiten Video wendet Leopold sich gegen Victim Blaming. Noch während des Überfalls habe er gedacht: „Wie blöd muss ich eigentlich sein?“ Das sei falsch. „Da gibt es kein Richtig und kein Falsch“, sagt er über den Umgang mit einer solchen Situation – weder währenddessen noch danach. „Wir alle haben das verdient, geliebt zu werden. Wir alle haben das verdient, unser Leben so zu leben, wie wir das möchten.“
Laut einem Bericht der „B.Z.“ häufen sich in Berlin Übergriffe, bei denen Täter gezielt über Dating-Apps nach Opfern suchen – konkrete Beratungsstellen nennt die Zeitung dabei nicht. Die queerpolitische Sprecherin der Berliner CDU-Fraktion, Lisa Knack, äußert sich laut „B.Z.“ besorgt und empfiehlt, sich zunächst an öffentlichen Orten zu treffen und einer Vertrauensperson mitzuteilen, wo man sich aufhält.











