Kommt im April der Frost oder der Frühling? Die Wettermodelle lagen zuletzt weit auseinander. Was hinter dem Modellchaos steckt und was Deutschland erwartet.
Der März nimmt einen grauen und nassen Abschied. Bereits am kommenden Wochenende bringt ein Tief aus Südskandinavien kühlere Luft nach Deutschland. „Auf der Rückseite des Tiefs fließt kältere Luft zu uns, begleitet von dichten Wolken und Regen“, erklärt Meteorologe Alexander König von wetter.com. Vor allem der Sonntag dürfte vielerorts trüb und kühl werden – oft mit einstelligen Temperaturen.
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Aber was bringt danach der sprichwörtlich unvorhersagbare April? Noch vor wenigen Tagen lagen die Prognosen der Wettermodelle weit auseinander: Das US-Modell GFS sagte einen Wintereinbruch voraus. Statt Sonne drohe Deutschland ein neuer Kälterückfall – inklusive Schneegefahr. Rund um den 3. April werde es erneut weiß werden, lautete eine Prognose. Das europäische ECMWF-Modell und das deutsche ICON-Modell blieben hingegen entspannt – sie rechneten mit mildem Frühlingsstart Anfang April.
Bei so widersprüchlichen Prognosen sprechen Meteorologen vom Modellchaos. Diplom-Meteorologe Dominik Jung erklärt, wie dieses zustande kommt: „Das GFS-Modell (Global Forecast System) ist ein globales Wettervorhersagemodell des US-Wetterdienstes NOAA. Es wird viermal täglich neu berechnet und liefert Vorhersagen für bis zu 16 Tage im Voraus. Es gehört zu den wichtigsten Wettermodellen weltweit und wird auch in Europa intensiv genutzt.“
Dabei sei jedoch zwischen dem Hauptlauf und der Ensemble-Vorhersage zu unterscheiden. „Der Hauptlauf ist die Standard-Berechnung des Modells mit den besten verfügbaren Anfangsdaten. Er zeigt eine konkrete, detaillierte Wetterprognose – aber eben nur eine mögliche Entwicklung des Wetters“, erläutert Jung für t-online.
Der Hauptlauf ist also eine Art „best guess“ – basierend auf den besten verfügbaren Startdaten. Doch gerade bei wechselhaften Wetterlagen kann schon eine kleine Störung am Anfang große Unterschiede im Ergebnis verursachen. Erst wenn auch die Ensembleläufe in dieselbe Richtung zeigen, gewinnt eine Prognose an Gewicht.
„Gehen die Läufe stark auseinander, ist die Wetterlage instabil“
„Die Ensemble-Vorhersage besteht aus mehreren (meist 20 oder mehr) zusätzlichen Modellläufen. Hierbei wird das Modell mit leicht veränderten Startbedingungen mehrfach durchgerechnet“, führt Jung weiter aus. Das Ziel sei es, die Unsicherheit der Vorhersage einzuschätzen. „Wenn alle Ensembleläufe in eine ähnliche Richtung tendieren, ist die Vorhersage ziemlich zuverlässig. Gehen die Läufe stark auseinander, ist die Wetterlage unsicher oder instabil.“
Der Hauptlauf prognostiziere also nur eine mögliche Zukunft. Ensembles zeigten hingegen viele mögliche Entwicklungen sowie die Bandbreite und Zuverlässigkeit der Prognosen auf.
„Für Anfang April sah nur der Hauptlauf des GFS-Modells möglichen Schnee voraus, die Ensembles aber nicht. Daher war diese Prognose für mich als Diplom-Meteorologen von Anfang an schwer haltbar, zumal dann auch andere führende Wettermodelle wie das ECMWF und das ICON ganz andere Prognosen aufstellten“, sagt Jung.
ICON-Modell liefert präzise Wetterprognosen für Deutschland
Das ICON-Modell ist das Wettermodell des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Die Abkürzung steht für Icosahedral Nonhydrostatic Model. Es gehört zu den modernsten globalen Vorhersagemodellen und rechnet mit besonders hoher Auflösung – nicht nur weltweit, sondern auch in speziellen Europa- und Deutschlandvarianten mit noch feineren Rastern.
„Viermal täglich wird es neu berechnet. Dank seines speziellen, kugelförmigen Gittersystems liefert ICON besonders präzise Prognosen, vor allem für Deutschland und Zentraleuropa“, betont Jung.
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„Goldstandard für großräumige Entwicklungen“
Das ECMWF-Modell, oft auch als EZ-Modell bezeichnet, stammt vom European Centre for Medium-Range Weather Forecasts mit Sitz in Reading (Großbritannien). Es gilt als eines der weltweit genauesten Wettermodelle und ist besonders stark, wenn es um mittelfristige Vorhersagen bis etwa zehn Tage im Voraus geht. „Das Modell läuft zweimal täglich und wird in der Meteorologie häufig als Goldstandard für großräumige Entwicklungen und Trendanalysen bezeichnet“, erläutert der Meteorologe.