
Spionageverdacht im Nachbarland
Polen verhängt erste Fahrverbote für beliebte E-Autos
26.01.2026 – 11:58 UhrLesedauer: 2 Min.
Sie sind günstig, schick und technisch hochgerüstet. Doch für Polens Verteidigungsministerium sind Chinas Elektroautos vor allem eines: ein Risiko. Das Land verhängt nun erste Fahr- und Parkverbote.
Moderne Autos sind heute rollende Rechenzentren. Sensoren, Kameras und Radarsysteme erfassen permanent das Geschehen im Cockpit und auf der Straße. Diese Technik schafft Komfort und Sicherheit, weckt aber auch Misstrauen. In Polen wächst die Sorge, dass die Flut an Daten in die falschen Hände gerät.
Das polnische Verteidigungsministerium handelt bereits. Wie das Ministerium bestätigte, dürfen Fahrzeuge chinesischer Hersteller militärisches Gelände nicht mehr befahren. Auch das Parken in der Nähe strategisch wichtiger Objekte ist untersagt. Die Maßnahme kommt einem örtlichen Fahrverbot gleich. Und sie ist erst der Anfang. Geplant ist etwa auch, dass Militärangehörige ihre Dienst-Smartphones nicht mehr mit den Bordcomputern dieser Fahrzeuge verbinden dürfen.
Zwar gibt es noch keinen offiziellen landesweiten Beschluss, doch die Praxis wird bereits umgesetzt. Eine Entscheidung soll in den kommenden Tagen vorgestellt werden, sagt ein Sprecher der Armee. Polnische Medien berichten, dass die neuen Maßnahmen auch für Autos des US-Herstellers Tesla gelten könnten.
Ein aktuell viel beachteter Bericht des Warschauer Zentrums für östliche Studien („Smartphones auf Rädern“) hat das Thema nun auch in den Fokus der breiten Öffentlichkeit gerückt. Die Warnung der Experten deckt sich mit den Sorgen der Behörden: Die gesammelten Daten könnten für Spionage, Cyberangriffe oder militärische Zwecke missbraucht werden.
Dabei ist nicht die Technik selbst das Problem – sie ist in westlichen Fahrzeugen ähnlich verbaut. Entscheidend ist, wohin die Informationen fließen. Während europäische Hersteller strengen Datenschutzregeln unterliegen, sind chinesische Firmen gesetzlich zur Zusammenarbeit mit Pekings Sicherheitsbehörden verpflichtet. Experten befürchten, dass ein Zugriff auf Fahrprofile oder Kameradaten jederzeit möglich ist.
Beinahe absurd: Während Chinas Hersteller den Weltmarkt erobern, begegnet Peking ausländischen Autobauern im eigenen Land mit größtem Misstrauen. China schützt sich bereits seit Jahren durch strikte Regeln und Lizenzen vor potenziellen Datenabflüssen durch westliche Technik. Europa, so die Analystin Paulina Uznańska, hinke bei der Bewertung genau dieser Risiken momentan deutlich hinterher.
Bisher bremst die Furcht vor Spionage den Verkauf kaum. Allein im vergangenen Jahr hat sich der Absatz chinesischer Neuwagen in Polen vervierfacht. Marken wie BYD oder MG punkten mit einem Preisvorteil von oft 15 bis 20 Prozent gegenüber der europäischen Konkurrenz.
Die polnische Initiative setzt ein Zeichen für ganz Europa. Denn der Marktanteil chinesischer Marken wächst in vielen Ländern – etwa in Deutschland – stetig. Derzeit prüft die EU die Cybersicherheitsrisiken vernetzter Fahrzeuge. Das Beispiel Polen zeigt jedoch: Während die Prüfung in Brüssel noch läuft, ist die Geduld vieler Sicherheitsexperten bereits am Ende.











