
Vielleicht ist es genau dieser Schalter im Kopf, der ihn immer wieder zurückkommen lässt. Nach der schweren Nasenverletzung – 25 Stiche waren nötig – stand er nur wenige Wochen später wieder im Line-up. Mit Schutzgitter vor dem Gesicht, Tape über der frischen Narbe – und Toren auf dem Konto. Auch die Szene mit der Kufe am Kopf änderte nichts an seinem Stil. Große Blutlache, Schockmoment, Krankenhaus. Kurz darauf wieder im Training.
Bremerhaven ist nicht Köln, nicht Mannheim, nicht Berlin. Der Klub arbeitet mit deutlich geringerem Budget als viele Konkurrenten. Und doch hat sich Fischtown in den vergangenen Jahren nach oben gekämpft. Spieler wie Wejse stehen sinnbildlich für diesen Weg: keine Stars mit Millionenvertrag, sondern Arbeiter auf Kufen.
Geboren am 4. Dezember 1998 in Esbjerg, Rechtsschütze, kräftig gebaut – Wejse bringt die Voraussetzungen für modernes Power-Eishockey mit. Er geht dorthin, wo Verteidiger Schmerzen spüren. Und er steht vor dem Tor, wenn es ungemütlich wird.
Für die Fans in Bremerhaven ist er längst einer von ihnen. Einer, der nach Spielen noch lange auf dem Eis bleibt, applaudiert, Trikots verteilt. Einer, der nach Rückschlägen nicht klagt, sondern trainiert.
Man könnte ihn Pechvogel nennen. Kaum ein Profi in der Liga hat in so kurzer Zeit so viele spektakuläre Verletzungen erlitten. Abgetrennte Nasenspitze. Schnittwunden am Ohr. Mehrfache Gesichtsfrakturen. Und doch passt ein anderes Wort besser: unkaputtbar.
Denn jedes Mal kommt Wejse zurück. Ohne großes Theater, ohne Selbstmitleid. Stattdessen mit dem nächsten Check, dem nächsten Abschluss, dem nächsten Tor. Wenn er nun bei Olympia auf das Eis fährt, denken viele in Bremerhaven an die Bilder aus der Eisarena: an Blut auf weißem Untergrund, an Schutzgitter vor dem Gesicht – und an den Moment, in dem er wieder aufsteht.
Christian Wejse hat gelernt, mit Schmerzen zu leben. Vielleicht ist genau das seine größte Stärke. Und während die Welt auf die großen Nationen schaut, steht da ein Stürmer von der Nordseeküste, der schon ganz andere Schläge weggesteckt hat.










