Dies löste eine entsprechende Entrüstung aus: „Sich mit einem professionellen Clown die Manege zu teilen, war von Anfang an eine dumme Idee“, schrieb ein Militärblogger. „Die Ukrainer kann man auf diesem Feld nicht schlagen. Wenn er ein Dekret zur Durchführung der Parade auf dem Roten Platz erlässt, wirkt das wie ein Versuch, Russland zu demütigen.“ Was mache man in solchen Fällen normalerweise? Man schlage zurück. Stattdessen lasse sich der Kreml auf eine dreitägige Waffenruhe und einen Gefangenenaustausch ein. „Dafür gibt es wirklich keine zensurfähigen Worte“, wütete er in Richtung des Kremls, der offenbar auf einen Schlag gegen Kiew verzichtet.
Militärblogger sieht Putin zu einer Lachnummer verkommen
„Das passiert, wenn ein junger Kopf einem alten entgegengestellt wird“, kommentierte der Militärblogger „Genosse Artjom“. Humor sei eine erstaunlich mächtige Waffe. „Diejenigen, vor denen man früher Angst hatte, werden dadurch zur Lachnummer.“
„Mit diesem Versprechen, das Zentrum Kiews als Vergeltung für einen Angriff auf die Siegesparade zu zerstören, ist eine völlig absurde Geschichte entstanden“, befand der Blogger „Historiker-Alkoholiker“. „Wozu braucht man überhaupt eine Parade zum Sieg im vergangenen Krieg, wenn man ständig verspricht, die Hauptstadt des Gegners zu zerstören, den aktuellen Krieg aber offenbar gar nicht gewinnen will?“
Ein anderer Militärblogger wurde noch deutlicher: „Im Grunde unterstreicht gerade dieses Fest, wie gering unser eigener Verdienst im Vergleich zu den Leistungen unserer heroischen Vorfahren ist.“
Für Wladimir Putin geht der „Tag des Sieges“ nach hinten los
Auch die Animationen der „Wunderwaffen“, die während der Parade präsentiert wurden, lösten bei Fachleuten Skepsis und bei den russischen Militärbloggern bittere Enttäuschung aus. Denn die angeblichen Superwaffen kämen entweder im Krieg nicht zum Einsatz, monierte die Kriegsblogger-Szene, oder sie existierten gar nicht.
Die Reaktionen der sonst kremltreuen Blogger zeigen deutlich: Putin hat die gesamte außenpolitische Agenda der vergangenen Woche maximal vermasselt. Selenskyj hat ihn komplett ausgespielt. Und zwar so deutlich, dass selbst die russische Bevölkerung, einschließlich der Militärblogger, sich nicht über die Parade freute, sondern deren Sinnhaftigkeit infrage stellte.
In diesem Jahr ist Putins propagandistische Ausbeutung des „Tags des Sieges“ nach hinten losgegangen. Die Parade selbst wirkte hektisch und ängstlich. Die Demütigung durch die Ukraine war enorm. Am Ende wurde in Moskau in letzter Minute sogar das große Feuerwerk abgesagt – seit Jahrzehnten ein Highlight am „Tag des Sieges.“ Schließlich hatte Selenskyj dazu nicht seine Erlaubnis erteilt, könnte man meinen.











