OpenAI
KI soll 90 Jahre altes Rätsel geknackt haben – Forscher ärgert sich
09.09.2026 – 03:19 UhrLesedauer: 2 Min.
Das Unternehmen hinter ChatGPT will mithilfe seiner KI ein 90 Jahre altes Mathematikproblem gelöst haben. Doch ein Forscher erhebt Vorwürfe.
OpenAI hat nach eigenen Angaben das Navier-Stokes-Problem geknackt, eines der berühmtesten ungelösten Rätsel der Mathematik. Rund 10.000 KI-Agenten arbeiteten 88 Stunden lang an der Lösung und tauschten dabei fast drei Millionen Nachrichten aus. OpenAI spricht von Kosten in Millionenhöhe für die Rechenressourcen; laut einem Bericht der BBC belaufen sich die Kosten auf etwa zehn Millionen Dollar (rund 8,5 Millionen Euro).
Das Problem beschäftigt sich mit der Bewegung von Flüssigkeiten und Gasen und ist in wichtigen Aspekten seit 90 Jahren ungelöst. OpenAI nutzte demnach ein internes KI-Modell, das leistungsfähiger ist als das kürzlich veröffentlichte GPT-6 Astra. Die Agenten verbrauchten den Angaben zufolge rund 130 Milliarden Output-Tokens.
Das Unternehmen will damit die entscheidenden negativen Fallkriterien des berühmten Millennium-Preises erfüllt haben, der vom Clay Mathematics Institute mit einer Million Dollar dotiert ist. Das Institut hat die Lösung bislang nicht unabhängig verifiziert.
OpenAI kündigte jedoch bereits an, das Preisgeld nicht beanspruchen zu wollen. Beobachter sehen in dem wissenschaftlichen Durchbruch abseits des Preisgeldes einen strategischen Erfolg: Das Unternehmen bereitet derzeit einen Börsengang vor, der es mit rund einer Billion Dollar bewerten könnte.
Schwere Vorwürfe gegen OpenAI aus der Forschung
Die Ankündigung des KI-Unternehmens löste umgehend heftigen Ärger in der akademischen Welt aus. Tristan Buckmaster, Mathematikprofessor an der New York University, erklärte, er und Levent Alpöge vom OpenAI-Konkurrenten Anthropic hätten ebenfalls an dem Problem gearbeitet. Am 3. September habe er erfahren, dass „Informationen über unseren Fortschritt an OpenAI weitergegeben wurden“, wie unter anderem der „Guardian“ die Forscher zitiert.
Buckmaster nutzte nach eigenen Angaben für seine Arbeit OpenAIs Tool Codex. Er behauptet, das Unternehmen habe erst nach Bekanntwerden seiner Fortschritte mit der Arbeit an Navier-Stokes begonnen. In einer auf seiner Website veröffentlichten Stellungnahme schrieb er: „Ich weiß nicht, was ihr Modell getan hat oder wie. Ich weiß nicht, ob unsere Daten verwendet wurden. Ich beschuldige niemanden.“ Er betonte jedoch, an die Öffentlichkeit gegangen zu sein, um einer falschen Darstellung der Ereignisse zuvorzukommen.
OpenAI weist Vorwürfe zurück
Bei einer Pressekonferenz wies OpenAI die Vorwürfe zurück und betonte, das Unternehmen habe weder die Arbeit des Duos genutzt noch auf Material zugegriffen, das auf OpenAI-Servern als geschützte Nutzerdaten hinterlegt war. Das Unternehmen erklärte, dass sich die mathematischen Beweise grundlegend voneinander unterscheiden. Zwar könne nicht völlig ausgeschlossen werden, dass anonymisierte Daten aus der Produktnutzung die Modelle im allgemeinen Training verbessert hätten, dies sei jedoch laut OpenAI unwahrscheinlich.
Die sogenannten KI-Agenten sollen selbstständig Aufgaben für die Nutzer erfüllen. Bei Testläufen bekommen sie verschiedene Aufträge. Dabei geht es etwa darum, ihre Fähigkeiten auszuloten – auch mit Blick darauf, ob sie Probleme verursachen. Beim gravierendsten bekannt gewordenen Vorfall brachen KI-Modelle von OpenAI aus ihrer abgesicherten Testumgebung aus und hackten sich in Systeme einer anderen KI-Firma. Ihr Ziel war dabei lediglich, eine Antwort auf die gestellte Aufgabe zu finden. Auch bei diesem Zwischenfall tauschten die KI-Agenten Informationen untereinander aus. Sie nutzten dafür ein internes System der Firma, wie OpenAI erst verspätet mitbekam.











