Ähnlich gut wie Antibiotika
Omega-3-Kombination überrascht bei Volkskrankheit
24.08.2026 – 16:56 UhrLesedauer: 3 Min.

Bei Parodontitis kommen oft Antibiotika zum Einsatz – mitsamt ihrer Nebenwirkungen. Forscher haben nun eine alternative Behandlungsmöglichkeit untersucht.
Parodontitis, veraltet auch Parodontose genannt, ist eine chronische Erkrankung, bei der sich Zahnfleisch und Zahnbett entzünden. Ohne Behandlung kann der Kieferknochen angegriffen werden wodurch sich Zähne lockern und schließlich ausfallen können. Auch begünstigt Parodontitis eine Reihe weiterer Erkrankungen. In Deutschland ist die Mehrheit der Erwachsenen von Parodontitis betroffen. Die Erkrankung gilt daher seit mehreren Jahren als Volkskrankheit.
Forscher aus Brasilien und den USA haben jetzt untersucht, ob sich schwere Formen der Erkrankung auch ohne zusätzliche Antibiotika wirksam behandeln lassen. Denn Antibiotika helfen zwar effektiv, bergen aber auch das Risiko von Nebenwirkungen und Antibiotikaresistenzen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kombination aus Omega-3-Fettsäuren und Acetylsalicylsäure – auch bekannt als Aspirin – eine überraschend starke Wirkung hat. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im „Journal of Periodontology“.
Wie entsteht Parodontitis?
Parodontitis entsteht meist durch Bakterien im Zahnbelag, dem sogenannten Plaque. Bleibt dieser Belag auf den Zähnen, entzündet sich zunächst das Zahnfleisch. Mit der Zeit verhärtet sich der Plaque zu Zahnstein, der wiederum weiteren Zahnbelag und Entzündungen fördert. Rauchen, Diabetes, hormonelle Veränderungen, bestimmte Medikamente und eine genetische Veranlagung können das Risiko zusätzlich erhöhen.
Forscher testen Kombination aus Omega-3 und Acetylsalicylsäure
An der Studie nahmen 109 Erwachsene mit fortgeschrittener Parodontitis teil. Alle Teilnehmer erhielten zunächst die übliche Behandlung. Dabei reinigen Zahnärzte den Bereich unterhalb des Zahnfleischrands und entfernen dort bakterielle Beläge.
Anschließend teilte das Forschungsteam die Teilnehmer zufällig in vier Gruppen ein. Eine Gruppe erhielt lediglich Placebos. Die zweite nahm 14 Tage lang dreimal täglich 400 Milligramm Metronidazol und 500 Milligramm Amoxicillin ein – die Kombination dieser Antibiotika gilt als die bisher wirksamste Therapie bei schwerer Parodontitis.
Die dritte Gruppe erhielt sechs Monate lang täglich drei Gramm Omega-3-Fettsäuren und 100 Milligramm Acetylsalicylsäure (ASS). Die vierte Gruppe kombinierte beide Behandlungen: Antibiotika und Nahrungsergänzung. Nach drei, sechs und zwölf Monaten untersuchten die Forscher die Teilnehmer erneut.
Gut zu wissen
Um welches Omega-3-Präparat es sich in der Studie genau handelt, ist nicht bekannt. Omega-3-Fettsäuren kommen natürlicherweise in verschiedenen Lebensmitteln vor. Dazu zählen beispielsweise fettreiche Seefische wie Lachs sowie pflanzliche Lebensmittel wie Walnüsse oder Algenöl.
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Fast die gleiche Erfolgsrate ohne Antibiotika
Als Behandlungserfolg legten die Forscher fest, dass nach einem Jahr höchstens vier Stellen mit tiefen Zahnfleischtaschen übrig bleiben durften. Solche Taschen entstehen zwischen Zahn und Zahnfleisch und können bei Parodontitis besonders tief werden. Sie bieten Bakterien einen Rückzugsort und sind ein entscheidendes Merkmal der Erkrankung.
Nach einem Jahr erreichten 58,6 Prozent der Teilnehmer, die mit der Antibiotika-Kombination behandelt wurden, das festgelegte Therapieziel. In der mit Omega-3 und ASS behandelten Gruppe waren es 57,7 Prozent. Deutlich schlechter schnitt die Gruppe ab, die nach der mechanischen Reinigung nur Placebos erhielt: Hier erreichten lediglich 23,1 Prozent das Therapieziel. Damit brachte sowohl die Antibiotika-Behandlung als auch die Kombination aus Omega-3 und ASS einen klinisch relevanten zusätzlichen Nutzen.










