
OB-Wahl München
Dieter Reiter greift CSU und Grüne an – und stellt die „soziale Frage“
06.01.2026 – 17:27 UhrLesedauer: 3 Min.
Zwei Monate vor der OB-Wahl in München schaltet Dieter Reiter in den Wahlkampfmodus: Der Amtsinhaber attackiert seine Mitbewerber von CSU und Grünen – und benennt „die soziale Frage unserer Zeit“.
Vielleicht ist es Zufall, vielleicht hat die Münchner SPD ihren Ehrengast auch bewusst unter einen gewaltigen Kronleuchter platziert – hier beim Dreikönigstreffen der Partei im Festsaal des Hofbräukellers. Jedenfalls wirkt es, als strahle über dem Haupt des Oberbürgermeisters ein riesiger Heiligenschein, als er sich Dieter Reiter bei seiner Begrüßung erhebt. Was ja durchaus zu den Hoffnungen, Wünschen und Sehnsüchten passt, die die zuletzt so gebeutelte SPD in ihren Kandidaten für die nahende Kommunalwahl setzt.
Denn auch, wenn die Sozialdemokraten in Bayern seit 2023 nur noch die Nummer Fünf im Landtag sind und seit 2025 in Berlin nicht mehr den Kanzler stellen: Im Münchner Rathaus hat die SPD seit mehr als vier Jahrzehnten ein Abonnement auf den Chefsessel, in dem seit 2014 Dieter Reiter sitzt.
Der 67-Jährige strebt bei der Wahl am 8. März eine weitere Amtszeit an, wofür er sich gegen mehr als ein Dutzend Mitbewerberinnen und Mitbewerber durchsetzen muss – darunter zwei, die berechtigte Hoffnungen auf einen Wechsel an der Rathausspitze hegen. Zum einen Dominik Krause, dessen Grüne im Stadtrat die stärkste Kraft stellen. Und zum anderen der Kandidat der zweitgrößten Fraktion, nämlich Clemens Baumgärtner von der CSU.
„Diese Stadt steht vor einer Richtungsentscheidung“, betont Reiter. „Zwischen Erfahrung oder Experiment. Haltung oder Ideologie. Verantwortung oder Showpolitik.“ Diese Stichworte umreißen ziemlich gut jene Vorwürfe, die er in der Folge gegen eine Münchner CSU erhebt, die „rückwärtsgewandte Blockadepolitik“ betreibe, sowie gegen Grüne, „die glauben, man könne eine Stadt regieren wie ein Uni-Seminar – mit Thesen, Moralin und maximaler Selbstgerechtigkeit“.
Was München brauche, das wiederholt Reiter ein ums andere Mal, seien „Führung“ sowie „Erfahrung, Haltung und Verlässlichkeit“. Derlei Schlagworte erinnern frappierend an einen Wahlkampf à la Angela Merkel, die einst mit Sprüchen wie „Sie kennen mich“ für sich warb. „Wenn ich mir unsere Gegenkandidaten anschaue, sehe ich viel Meinung, aber wenig Verantwortung“, kritisiert Dieter Reiter. „Viel Kritik, aber keine Lösungen. Viel Pose, aber kein Konzept.“
Ganz anders bewerten das naturgemäß seine Konkurrenten, die im bisherigen Wahlkampf auf gänzlich verschiedene Strategien setzen. So lässt der einstige Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner kaum eine Chance aus, um den OB und die grün-rote Rathauskoalition zu attackieren. Mit ihm werde München wieder sicherer, er wolle „die Wirtschaft fördern statt bremsen“ und beim Thema Mobilität „auch faire Lösungen für Autofahrer“.











