Kommt es zum Kanzlersturz?

Es fehlt etwas ganz Entscheidendes


Aktualisiert am 21.09.2026 – 07:00 UhrLesedauer: 5 Min.

Doppeltes Wahldebakel: Bundeskanzler Merz erlebt schon wieder einen Schicksalstag. (Quelle: Michael Kappeler/dpa/dpa-bilder)

Die CDU hat in Mecklenburg-Vorpommern das bislang schwächste Ergebnis bei einer Landtagswahl in Deutschland eingefahren. Was das nun für Kanzler Merz bedeuten könnte.

Die ersten Zahlen zum neuen Wahldebakel der CDU sind gerade einmal 13 Minuten auf dem Markt, als Friedrich Merz sich im Helmut-Kohl-Saal der Berliner Parteizentrale vor die Kameras stellt. In Mecklenburg-Vorpommern hat die Partei das schlechteste Ergebnis bei Bundes-, Europa- und Landtagswahlen in der Nachkriegszeit eingefahren, so viel steht zu diesem Zeitpunkt schon fest. Da gebe es nichts schönzureden, sagt der Kanzler unumwunden. „Es ist ein Desaster.“ Zu diesem Zeitpunkt liegt die CDU bei 5,0 bis 5,5 Prozent. Wenige Stunden später kommt es noch schlimmer.

Mit seiner schnellen Reaktion direkt nach den Prognosen will Merz vor allem eines bewirken. Er will vor die Welle kommen, die Deutungshoheit über die Ergebnisse behalten und einer neuen Diskussion über einen möglichen Rücktritt zuvorkommen. Er will zeigen, dass er bereit ist, um sein Amt zu kämpfen.

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Merz wirbt für seinen Reformkurs und spricht von Verantwortung

Der Kanzler liest vom Teleprompter ab, damit nichts schiefgeht. Er weiß, dass ab sofort jedes Wort zählt. Jeder Fehler kann verheerende Wirkung haben. Seine erste Reaktion wird in Spitzengremien und an der Basis diskutiert werden. Merz steht unter öffentlicher Beobachtung wie noch nie zuvor.

In seiner knapp fünfminütigen Stellungnahme wirbt er für seinen Reformkurs und spricht von Verantwortung. „Ich möchte unser Land voranbringen“, sagt er. „Diese Reformen sind das Mittel, gegen das autoritäre Gift, das mit der Faszination des Autoritären immer tiefer in unsere Gesellschaft eindringt.“ Was jetzt zu tun sei, erfordere Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld. „Ich werde das aufbringen – als Parteivorsitzender der CDU und vor allem als Bundeskanzler unseres Landes.“

Ob ihm seine Partei dabei folgt, ist zu diesem Zeitpunkt völlig offen. Für die CDU könnte an diesem Wahlsonntag der schlimmste denkbare Fall eintreten. Raus aus dem Landtag in Schwerin und raus aus der Regierung in Berlin.

Was die Ergebnisse bedeuten

Als der Kanzler um 21.40 Uhr mit seiner Limousine das Konrad-Adenauer-Haus verlässt, liegt die CDU noch bei 5,0 Prozent in den Hochrechnungen. Wenige Minuten später liegt sie zum ersten Mal an diesem Abend unter der magischen Marke. Der Balken endet bei 4,9. Ein historisch niedriges Ergebnis und das erste Mal, dass die CDU aus einem Landtag fliegt.

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