Personalrätin wird ausgebuht
Chaos bei ZF: Betriebsversammlung muss gestoppt werden
15.07.2026 – 12:02 UhrLesedauer: 2 Min.
Beim Autozulieferer ZF geht es seit geraumer Zeit turbulent zu. Geplante Kürzungen sorgen nun für neuen Ärger.
Eine Betriebsversammlung beim Autozulieferer ZF in Friedrichshafen ist nach Angaben des Gesamtbetriebsrats unterbrochen worden. Wann und wo sie fortgesetzt werde, stehe noch nicht fest, hieß es in einer Mitteilung. Da ein Konfliktthema den Hauptteil der Versammlung eingenommen habe, hätten weitere geplante Themen nicht mehr behandelt werden können.
An der Veranstaltung am Dienstag nahmen mehr als 4.500 Beschäftigte teil, wie der Gesamtbetriebsrat mitteilte. Im Mittelpunkt der Veranstaltung habe der Konflikt um die Kündigung von übertariflichen Leistungen am Standort Friedrichshafen gestanden. Dabei handele es sich um einen weiteren Eingriff ins Entgelt der Beschäftigten. In den vergangenen Wochen habe der Betriebsrat mit dem Management über eine faire Lösung verhandelt. Am Montagabend seien die Verhandlungen vom Arbeitgeber abgebrochen worden.
Löhne bei ZF sollen um bis zu 500 Euro gekürzt werden
Nach Angaben des SWR fürchten die Beschäftigten Gehaltseinbußen von 300 bis 500 Euro pro Monat. Wegen dieser Pläne wurde die ZF-Personalrätin bei der Betriebsversammlung minutenlang ausgebuht und ausgepfiffen. Der „Südkurier“ berichtet von einer „wahnsinnig aufgeheizten und angespannten“ Stimmung, die keinen konstruktiven Dialog zuließ. Die Beschäftigten fühlten sich von der Chefetage alleingelassen, hieß es.
„Zu lokalen Kostenstrukturen am Standort Friedrichshafen können wir uns aus Wettbewerbsgründen nicht äußern“, teilte ein ZF-Sprecher auf Anfrage mit. „Angesichts der herausfordernden Situation unserer Industrie ist offensichtlich, dass wir die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts verbessern müssen, um Perspektiven für die Zukunft zu schaffen“, so der Sprecher.
Die Gespräche mit dem Standort-Betriebsrat hätten auf Initiative des Unternehmens am Montag erstmals zu einem inhaltlichen Dialog geführt. „Über Details sprechen wir öffentlich erst dann, wenn Ergebnisse vorliegen“, teilte der Unternehmenssprecher mit.
ZF war im vergangenen Jahr vor allem wegen eines Sondereffekts beim Konzernumbau noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. 2024 betrug der Verlust bereits knapp über eine Milliarde Euro, 2025 verdoppelte sich dieser auf 2,1 Milliarden. Der hoch verschuldete Konzern will in den kommenden Jahren bis zu 14.000 Stellen in Deutschland abbauen. Ende 2025 beschäftigte der Konzern laut Mitteilung weltweit 153.153 Menschen, davon etwas mehr als 49.000 in Deutschland.








