Mit eigenem Pass und Flagge
Dieser „Zwergstaat“ liegt mitten in Österreich
Aktualisiert am 15.06.2026 – 12:13 UhrLesedauer: 2 Min.
Eigene Pässe, eigene Briefmarken, eigene Flagge: Mitten in Wien existiert eine Republik, die nicht anerkannt wird – und dennoch jede Menge Menschen fasziniert.
Wer durch den Wiener Prater spaziert, rechnet mit Fahrgeschäften und Touristenattraktionen. Doch hinter einem Zaun befindet sich außerdem ein Ort, den viele nicht kennen: die Republik Kugelmugel.
Auf den ersten Blick wirkt sie wie eine normale Kunstinstallation. Tatsächlich erklärte ihr Gründer Edwin Lipburger das Gelände vor mehr als 40 Jahren zum unabhängigen Staat. Die „Republik“ erhielt eine eigene Flagge, Ausweisdokumente und Briefmarken. International anerkannt wurde sie nie.

Aus einem Behördenstreit wird ein „Staat“
Die Geschichte beginnt in den 1970er-Jahren. Der österreichische Künstler Lipburger errichtete ein ungewöhnliches Wohnhaus in Niederösterreich: eine große Holzkugel. Weil Genehmigungen fehlten, geriet er in Konflikt mit den Behörden. Es folgten jahrelange rechtliche Auseinandersetzungen. 1982 wurde das Kugelmugel genannte Bauwerk in den Wiener Prater verlegt.
Lipburger reagierte auf seine eigene Weise. 1984 erklärte er sein Grundstück zur unabhängigen Republik Kugelmugel und stellte die Zuständigkeit der österreichischen Behörden infrage.
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Was zunächst wie ein Scherz wirkte, nahm konkrete Formen an. Lipburger entwarf Staatssymbole, ließ Briefmarken drucken und stellte eigene Ausweise aus. Die österreichischen Behörden erkannten die Republik nicht an. Der Streit führte zeitweise sogar zu einer Haftstrafe für den Künstler.
Wann ist ein Staat ein Staat?
Die Geschichte wirft eine grundsätzliche Frage auf: Was macht einen Staat aus?
Nach klassischem Völkerrecht gehören dazu ein Staatsgebiet, eine Bevölkerung und eine funktionierende Staatsgewalt. In der Praxis spielt zudem die Anerkennung durch andere Staaten eine entscheidende Rolle.

Republik Kugelmugel ist eine 1976 vom österreichischen Künstler Edwin Lipburger gegründete Mikronation im Wiener Prater. Ausgangspunkt war ein kugelförmiges Wohn- und Kunstobjekt, das nach einem Rechtsstreit mit den Behörden 1982 an seinen heutigen Standort verlegt wurde. Die Republik versteht sich als künstlerisches und gesellschaftskritisches Projekt. Seit 2023 ist Linda Treiber „Staatspräsidentin“.
Genau daran scheitern die meisten Mikronationen. Sie verfügen oft über Flaggen, Pässe oder sogar Anhänger, werden aber von keinem Staat offiziell anerkannt. Kugelmugel gilt deshalb weniger als echter Staat denn als politisches und künstlerisches Statement.











